Archive for the ‘Philosophie’ Category

Literaturliste aktualisiert

Sonntag, Januar 10th, 2010

Auf unserer Webseite haben wir unsere Literaturliste mit gelesenen Büchern nachgeführt, welche uns im Jahr 2009 berührt und bewegt haben. Neben vielen anderen Büchern haben uns wie immer vor allem diejenigen angesprochen, welche mit Lernen, Einfühlung, Philosophie und Spiritualität zu tun haben:

  • amo ergo sum von Christina Kessler
  • Das Freilerner-Buch von Jan Hunt (Hrsg.)
  • Die integrale Schule des Mensch von Ralf Girg
  • YogaKids von Marscha Wenig
  • Ganzheitliche Entspannungstechniken für Kinder von Ursula Salbert

Wir können diese Bücher wärmstens empfehlen. Unsere aktuelle Literaturliste kann ab sofort heruntergeladen werden.

Schulfrei – lernen ohne Schule Zeitpunkt 104, November/Dezember 2009

Montag, November 23rd, 2009

Das Magazin Zeitpunkt widmet sich in ihrem Schwerpunkt dem Thema ‘Schulfrei – lernen ohne Schule’. In eindrücklichen Artikeln wird über die verschiedensten Perspektiven des Lernens reflektiert. Einzelne Artikel sind sogar als Link verfügbar.

  • Editorial: Wo wir Untertan werden
  • Produktionsfaktor Kind – in den Schulen werden Kinder als Konsumenten und Arbeitnehmer zurechtgebogen – Roland Rottenfußer
  • Die psychopathische SchuleJohn Taylor Gatto
  • Die Schule als «Fitnesscenter für die Arbeitsesel des Neoliberalismus»
  • Der gute SchülerJens Bjørneboe
  • Lernen, was man wirklich will – wie aus einem Buben, der den ganzen Tag «nur angelte», ein glücklicher junger Mann wurde – Daniel Greenberg
  • Die schiefen Leistungskriterien von PISAJens Wernicke
  • Eine Idee macht Schule - Doris Ammann
  • Ich war nie in der Schule … und bin trotzdem ein gebildeter Mensch – André Stern
  • Lernen ohne Schule und Lehrer – ist Homeschooling eine Alternative? – Monika Beer
  • Mein grösster Lernerfolg  und andere Kurznachrichten
  • Das AntWortAnton Brüschweiler (Dieser Text erschien erstmals in der Zeitschrift «Schulpraxis» des bernischen Lehrerinnen- und Lehrer-Verbandes LEBE. Die Redaktion gab dem Autor in nicht ganz einwandfreiem aber eindeutigem Deutsch folgende Rückmeldung: “Die Kolumne ist bei vielen LeserInnen seeeehr gut angekommen. Der Stil gefällt.” Uns gefällt er auch.)

Die Artikel sind teilweise sehr kritisch, was gewisse Leser vielleicht aufwühlen könnte. Aber es lohnt sich sicher, ab und zu die Perspektiven zu wechseln. Nur durch Perspektivenwechsel können wir unser begrenztes individuelles Spektrum erweitern.

Beim Lesen dieses Magazins wird uns einmal mehr bewusst, dass wir wirklich nicht die Einzigen sind, die sich mit Schule, Lehrer, Kinder, Lernen, Bildung, Lernumgebungen, Unschooling, Sozialisation, Authentizität, Liebe und vielem Mehr auseinandersetzen. Das gibt uns selber immer wieder neuen Mut.

Schule 2030: Ist Homeschooling die Zukunft?

Sonntag, November 22nd, 2009

In einem interessanten Artikel schreibt Gérard Bökenkamp über die Schule 2030. Er wagt dabei eine sehr kühne These:

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Homeschooling in der Mitte des kommenden Jahrhunderts nicht die Ausnahme sein wird, sondern breite Verbreitung findet und Elemente des Homeschoolings auch in den Schulbetrieb integriert werden. Den entscheidenden Grund dafür sehe ich in der technischen Entwicklung, besonders im Bereich der neuen Medien.

Lesen Sie hier…

Plädoyer für Bildung zu Hause ohne Lehrerpatent

Dienstag, September 8th, 2009

Obwohl die Meinung der öffentlichen Hand bereits gemacht ist, möchten wir dieses Thema aufgreifen und die Sicht aus einer Familie kund tun, die Bildung zu Hause praktiziert und die sowohl ein Lehrerdiplom als auch ein Ergänzungsstudium in Neuer Lernkultur besitzt.

Um vorab unsere grundsätzliche Ansicht klar zu stellen:

Wir sind gegen ein zwingendes Lehrerpatent in der Familie, sondern für nachgewiesene Bildung der Eltern!

In verschiedenen Kantonen der Schweiz wird “Bildung zu Hause (BzH), häuslicher Unterricht, Homeschooling, Unschooling, Freilerner” oder welche Begriffe auch immer man diesem Thema alles zuweist, von öffentlicher Seite her immer mehr thematisiert (wir nennen es nachfolgend BzH). Dabei möchten die Behörden die Auflagen für BzH immer mehr verschärfen. Dabei war der Kanton ZH Vorreiter, indem er in einer neuen Gesetzgebung BzH zwar nicht verboten hat, aber die zu erfüllenden Auflagen insofern verschärft hat, indem er ein Lehrerpatent in der Familie als Voraussetzung für BzH einfordert. Andere Kantone wollen dem Beispiel des Kantons ZH nachziehen, ohne darüber richtig zu reflektieren. Es kommt bei uns jedenfalls so an.

Was macht denn ein Lehrerpatent überhaupt aus?

  1. Ein Lehrer, eine Lehrerin soll sich durch eine gewisse Allgemeinbildung auszeichnen (Betonung auf soll).
  2. Es zeichnet einen Lehrer aus, dass er vorgegebene Lehrinhalte in strukturierter Form einer Gruppe von ca. 15 – 25 unmündigen Menschen im Alter zwischen 6 – 16 vermitteln und überprüfen kann.
  3. Daneben hat ein Lehrer ein Musikinstrument gelernt und allenfalls Sport praktiziert.
  4. Ein Lehrerpatent positioniert sich als akademische Ausbildung.

zu Punkt 1
Dies bringen andere Ausbildungen und andere Lebenspläne ebenfalls mit, vielleicht sogar mehr und umfassender als ein junger Lehrer, der gerade aus der Schule kommt. Es ist in einer pluralistischen Welt längst nicht das Lehrerpatent alleine, das von Allgemeinbildung zeugt.

zu Punkt 2
In einer Familie, in der BzH praktiziert wird, ist eine Qualität, die wie oben beschrieben wird, gar nicht von Belang. Im Gegenteil: sie könnte in der Familien-Praxis gar kontra-produktiv oder hinderlich sein. In einer Familie wird vor allem die 1:1 Beziehung praktiziert, welche ganz andere Qualitäten fordert, wie z.B. Mitgefühl zeigen und liebevolle Beziehung leben. Wir unsererseits praktizieren zusätzlich das Prinzip der vorbereiteten Umgebung, in welcher das Lernen aus intrinsischer Motivation heraus geschehen soll. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass viele Lehrer dieses Prinzip nicht einmal vom Ansatz her kennen.

Die Überprüfung und Reflektion ist für viele in der BzH-Welt ein schwieriges Problem. Dies hängt wiederum von vielen Faktoren ab. Die einen verstecken sich vor Transparenz (Problem des Weltbildes). Den anderen fehlt überhaupt die Fähigkeit zur Reflektion (mangelnde Bildung). Hier verstehen wir die Anliegen und die Schwierigkeiten in der Umsetzung der öffentlichen Hand, resp. der Behörden mit BzH-Familien. Hier sollte von BzH-Eltern auch etwas verlangt werden können.

Von Eltern mit einem Lehrerpatent erwartet man automatisch, dass diese vermitteln und reflektieren können. Können dies wirklich nur Eltern mit einem Lehrerpatent? Zelebriert sich hier das Schulsystem nicht selber?

zu Punkt 3
Dies bringen ebenfalls sehr viele erwachsene Menschen selbstverständlich mit, ist aber unerheblich für die Praxis von BzH.

zu Punkt 4
Es ist wirklich tiefer zu überprüfen, welchen Wert eine akademische oder nicht-akademische Ausbildung im Zusammenhang mit BzH hat. Nach unserer Meinung ist ein Lehrerpatent nur eine von unzähligen Möglichkeiten, die Voraussetzungen für BzH zu erfüllen. Wir würden uns in einer pluralistischen Welt von der Behörde mehr Offenheit für unterschiedliche Lebensentwürfe wünschen.

Es ist nach unserer Meinung kein Lehrerpatent für BzH notwendig, wohl aber Bildung der praktizierenden Eltern.

Die Bildung der Eltern könnte sehr wohl in einem profunden Gespräch mit den Behörden, vielleicht sogar mit dokumentierten Lebensläufen nachgewiesen werden. Aus einer deutschen Statistik wissen wir, dass 80-85% von Akademikern und Beamten studieren. Bei Arbeiterkindern sind es nur noch 12%. Dass heisst, dass sich Akademiker selbst rekrutieren und die Chance eines Studiums für Kinder aus gebildeten Schichten zwanzigmal wahrscheinlicher ist als die für Arbeiterkinder. Wir sind Welten von Chancengleichheit entfernt und es wird ständig schlimmer. Also für Akademiker, egal welcher Herkunft, müssen sich Behörden im Bezug auf BzH keine Sorgen machen.

Wo beginnt nun Bildung und wo hört sie auf? Dies müsste man vertiefter heraus arbeiten. In einer abgeschlossenen Berufslehre mit Weiterentwicklung ist implizit auch schon immense Bildung enthalten. Auch in alternativen Lebensentwürfen ohne staatliches Diplom kann viel Bildung enthalten sein. Herzensbildung ist ebenfalls eine unermessliche Bildung. Dies müsste man von Fall zu Fall anschauen. Es wäre aber Sache der Behörde, diese Bildung zu hinterfragen und einzuschätzen. So hätten die Behörden in der Vorevaluation der Eltern auch eine mitverantwortliche Rolle für die Bildung von BzH-Kindern. Wie es dann in der Familie mit der Bildung der Kinder herauskommt, ist jedoch immer ungewiss. Dafür übernimmt die Behörde oder die Lehrerschaft auch in der Schule keine Verantwortung. Auch die Qualität der regelmässigen Reflektion über die BzH-Kinder zeigt den Behörden den Bildungsstand der Eltern auf. Auch hier könnten die Behörden Einhalt gewähren, falls die Qualität der Reflektion zu Wünschen übrig lässt. Dies ist halt wieder eine Sache der Transparenz und der Bildung.

Es ist auch unsere Meinung, dass Kindern immer eine minimale Chance zu einer guten Bildung gewährt werden muss. Wenn es in der Familie nicht funktioniert, dann vielleicht in der Schule. Die Umkehrung dieser Aussage müsste ebenfalls gelten.

Auch sollte nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen werden. Im Kanton AR sind z.B. von 7000 Schulkindern ca. 20 Kinder, welche BzH praktizieren dürfen (Information aus NZZ). Das sind weniger als 3 Promille (!) aller Schulkinder des ganzen Kantons. Dass Familien gerade aus Bildungsüberlegungen einen anderen Kanton auswählen, sollte inspirieren anstatt einfach den Kanton ZH nachzuahmen.

Wir rufen dabei in Erinnerung, dass in den USA Eltern geehrt werden, welche BzH praktizieren, weil sie die öffentliche Hand entlasten. In Kanada unterstützt der Staat BzH sogar finanziell (bis $1000 pro Kind pro Jahr). In Australien gibt es Staaten, in denen die öffentlichen Schulen 1 Tag pro Woche die Türen für Homeschooler öffnen.

Es sollten innovative Lösungen für dieses Thema gesucht werden. Innovative Lösungen sind unserer Ansicht nach solche, die u.a. Eltern zu Transparenz und zu fundierter Reflektion herausfordern und solche, welche den Behörden helfen, über den Tellerrand des Schulsystems hinaus zu schauen.

Was denken nun die Unschooler oder Freilerner über unsere Ansichten? Wie denken Homeschooler darüber? Wie denken die Behörden darüber? Wie denken Eltern darüber, welche die Kinder in die Schule schicken? Wie denken Lehrer darüber?

Im Voraus danken wir für konstruktive Rückmeldungen.

Malstation

Montag, August 17th, 2009

Vor über zwei Jahren haben wir unsere Malstation à la Arno Stern eingeweiht. Darüber haben wir hier berichtet. Mittlerweile wurden schon sehr viele Bilder damit gemalt und die Kinder sind nach wie vor fasziniert von den Möglichkeiten und der Art, sich ausdrücken zu dürfen. Auch Nalin, welcher vor zwei Jahren noch nicht verstand, dass er den Pinsel nicht von Farbtopf zu Farbtopf tunken durfte, da dadurch die Farben vermischt werden, malt nun mit viel Hingabe und Freude seine kleinen Kunstwerke. Wie ich schon in diesem Blog berichtet habe, nimmt die ‘dienende Haltung’ eine wichtige Rolle ein. Der Forscher und Pädagoge Arno Stern formuliert das so:

“Die dienende Einstellung unterscheidet sich grundsätzlich von einer belehrenden Beziehung zum Kind: Der Dienende im Malort vermittelt kein Wissen. Aber die gründliche Kenntnis des Formulationsablaufes bestimmt seine Haltung: Das Wissen um das Allgemeingültige schützt vor der Versuchung einer Anteilnahme am Persönlichen, vor der Lust, die entstehende Spur zu beurteilen oder gar zu deuten. Es ist zur Ausübung dieses Berufes unentbehrlich; nicht aber eine eigene Erfahrung im Umgang mit Pinsel und Farbe. Hier entsteht ja nicht ein Verhältnis wie zwischen dem vorbildlichen Meister und dem unerfahrenen Lehrling. Dienen heißt, in jedem Moment sich in die Lage aller versetzen, die hier spielen; dafür sorgen, dass sie durch nichts vom Wesentlichen abgelenkt werden; ihnen jede unnötige Mühe ersparen; sie vor jeder materiellen Besorgnis entlasten. Und auch wer nur von der Formulation erfährt, kann nicht mehr, wie so viele es tun, Kinderzeichnungen verbessern, beurteilen, kommentieren, deuten, wie Werke aufnehmen oder gar ausstellen, sondern wird sie als das anerkennen, was allein sie auszeichnet: als ein vom Kind erlebtes Spiel, das keinen Fremden einbezieht. Dieses Dienen ist – zum Unterschied von so vielen Beschäftigungen in unserer Gesellschaft – eine beglückende Tätigkeit, die nie zur Routine erschlafft.”

Schön, nicht wahr? Weiter schreibt er:

“Eines Tages ist mir aufgefallen, dass im Malort nicht Ähnliches wie zu Hause, wie in der Schule oder in der Psychologenpraxis entsteht. Anfangs glaubte ich, es läge an der aussergewöhnlichen Qualität der Werkzeuge, die ich den Kindern gab, während sie sonst wo mühsam ein bisschen verwässerte Farbe dem Malkasten abzugewinnen versuchten. Aber daran lag es nicht in erster Linie, sondern an der grundlegend verschiedenen Einstellung zum Malenden. Deshalb entstand hier eine nie zuvor geschehene Äußerung. Wer zu dieser Äußerung kommt, sich von allen Vorbildern und Vorstellungen befreit, hemmungslos die natürliche Spur entstehen lässt, kehrt zu seinem wahren Wesen zurück. Das Formulationsspiel im Malort ist keine Therapie sondern eben Therapie-vorbeugend, weil es Fähigkeiten fördert, die zur Entfaltung und Stärkung der Persönlichkeit führen.”Bild an der Malstation

Und genau in diesem Sinne haben wir die Malstation errichtet. Denn die Philosophie von Arno Stern passt genau zur Philosophie von unserem Bildungsprojekt ‘Pro-Lernen’ und ist bei uns nicht nur auf die Malstation bezogen. Faszinierend dabei ist, dass sein Sohn und seine Tochter nie zur Schule gegangen sind, sich nach dem Prinzip des selbstbestimmten Lernens zu Hause bildeten und heute beide ein selbständiges und erfolgreiches Leben führen. Mit einer Geisteshaltung wie der von Arno Stern kann man gar nicht anders als Unschooling praktizieren!

Buchrezension "Das Freilerner-Buch" von Jan Hunt

Sonntag, Juli 12th, 2009

Kleine Kinder lieben die Welt.
Deswegen sind sie so gut darin,
etwas über sie zu lernen.
Denn Liebe,
nicht Tricks und Mentaltechniken,
ist im Herzen eines jeden wahren Lernens.
Können wir uns selbst dazu bringen,
Kinder durch diese Liebe lernen
und wachsen zu lassen?

(John Holt)

In diesem Geist sind die Beiträge von verschiedenen Autoren (Mary van Doren, Nanda van Gestel, John Holt, Kim Houssenloge, Jan Hunt, Dayna Martin, Daniel Quinn, Earl Stevens) im Freilerner-Buch verfasst. Das Buch ist eine Übersetzung aus dem Amerikanischen mit dem Originaltitel “The Unschooling Unmanual” aus dem Jahr 2008.

Die verschiedenen Beiträge haben eines gemeinsam: es sind tiefgründige und liebevolle Betrachtungen zum Leben ohne Schule – keine wissenschaftliche, politische oder gar kämpferische Ausführungen. Das Buch betont immer wieder, dass Freilernen keine Methode ist. Es ist eine Art die Kinder und das Leben zu betrachten. Freilernen ist keine Technik; Freilernen bedeutet, natürlich, liebevoll und respektvoll zusammen zu leben und zu lernen. Es basiert auf dem Vertrauen, dass Kinder und Eltern die Wege finden werden, die für sie am besten funktionieren. Das Buch vermittelt Vertrauen in das Leben und das Lernen, wie es in den Kindern von Natur aus angelegt ist.

Deshalb können wir das Buch wärmstens empfehlen.

Die Philosophie der Freiheit

Sonntag, Juni 14th, 2009

Nachdem wir eine Weile auf Reisen waren und uns deshalb eine kleine Blog-Abstinenz auferlegten, melden wir uns mit folgendem Beitrag und viel Enthusiasmus wieder zurück.

DIE PHILOSOPHIE DER FREIHEIT

Jeder Mensch ist dazu bestimmt, zu leuchten !

Sonntag, März 8th, 2009

Unsere tiefgreifende Angst ist es nicht, dass wir ungenügend sind.
Unsere tiefgreifende Angst ist, über das Messbare hinaus kraftvoll zu sein. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, die uns am meisten Angst macht.

Wir fragen uns, wer bin ich, mich brilliant, großartig, talentiert oder phantastisch zu nennen? Aber wer bist Du, Dich nicht so zu nennen?

Du bist ein Kind des Lichtes.

Sich selbst klein zu halten dient nicht der Welt.
Es ist nichts Erleuchtetes daran, sich so klein zu machen,
dass andere um Dich herum sich unsicher fühlen.
Wir sind alle dazu bestimmt zu leuchten, wie es die Kinder tun.
Wir sind geboren worden, um den Glanz des Lichtes,
welches in uns ist, zu manifestieren.

Es ist nicht nur in einigen von uns, es ist in jedem einzelnen.
Und wenn wir unser eigenes Licht erscheinen lassen,
geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis dasselbe zu tun.

Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unsere Gegenwart andere.

Nelson Mandela
ehem. Staatspräsident Südafrika, Antrittsrede 1994

Der von Mandela verwendete Text ist ein Ausschnitt des Buches
(Rückkehr zur Liebe, oder in Englisch Return to Love) von Marianne Williamson.

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Anmerkung:

Das Leuchten eines Nelson Mandela’s oder auch eines Mahatma Gandhi’s hat die jeweilige Macht nicht ausgehalten. Man hat sie einfach verurteilt und ins Gefängnis gesteckt, anstatt dass man ihnen von Anfang an genau zugehört und sie gespürt hätte.

Diejenigen Menschen, die einen inneren, natürlichen Zugang zu Nelson Mandela’s Aussagen haben, verstehen auch ganz automatisch die unzähligen Initiativen alternativer Bildung. Es sind nämlich Antworten und Initiativen gegen eine Gesellschaft von Beurteilungen, Herrschaft und Gewalt.

Die richtige Bildung der Kinder und das Nicht-Zerstören dessen, was die Kinder bereits leuchten lässt, sind in der Tat zwei der momentan grössten Herausforderungen unserer Gesellschaft. Und die Nach-Entfaltung der Erwachsenen ‘durch’ unsere Kinder wäre eine 2. Chance, den leuchtenden Zustand wieder herzustellen.

Aber wer will dies schon? Die Mehrheit will lieber in die alte Rigidität zurück und die Bildung und Börsen so laufen lassen wie anno dazumal.

Unsere Hoffnung stirbt zuletzt. Es gibt nämlich immer wieder Wunder – Return to Love.

Elterninspiration: Kinder nähren

Sonntag, Februar 8th, 2009

Dass wir uns für diese Elterninspiration einmal mehr ein grosses Thema ausgewählt haben, bemerkte ich während meiner Vorbereitung. Eigentlich ist das Thema viel zu mächtig, um nur an einem einzigen Morgen darüber zu philosophieren und auch viel zu umfangreich, um es nur in einem kleinen Blog zu würdigen! Vor unserem Büchergestell zu Hause konnte ich mich kaum entscheiden, welche Bücher ich zum Thema ‘Kinder nähren’ mitbringen mochte. Es war unmöglich, alle in Frage kommenden Bücher mitzunehmen! Wohlverstanden, es ging uns nicht um die physische Nahrung, welche allein für sich natürlich auch ein wichtiges Thema ist! Vielmehr wollten wir uns dieses Mal miteinander austauschen, welche essentielle Nahrung unsere Kinder sonst noch brauchen.

Eigentlich wäre es ja ganz einfach: Kinder brauchen Liebe und Respekt. Und das schon als neugeborener Säugling, oder besser noch früher! Für einige von uns waren die Lektüren von Emmi Pikler, Anna Tardos oder Magda Gerber von grosser Bedeutung. Dabei geht es um die nährende, respektvolle und liebevolle Pflege, bei welcher das Baby, das Kleinkind und später auch das ältere Kind für eine gewisse Zeit die ununterbrochene Aufmerksamkeit der betreuenden Person erhält. Die ununterbrochene Aufmerksamkeit ist für ein Kind enorm wichtig. Naomi Aldort beschreibt das in ihrem Buch ‘Von der Erziehung zur Einfühlung’ so: “Ein Kind erlebt seinen eigenen Wert dadurch, dass es unsere Zeit und Aufmerksamkeit wert ist.” Nähren wir unsere Kinder, indem wir sie z.B. mit vollster Aufmerksamkeit pflegen oder indem wir ihnen täglich eine Zeit lang ganz bewusst bei ihrem Tun zuschauen, dann fühlen sie sich wertgeschätzt, wahrgenommen und geliebt! Wenn sich ein Kind in der Liebe seiner Eltern vollkommen geborgen fühlt, braucht es sich nicht auf destruktive Weise auszudrücken.

Wir stellten in unserer Reflektion fest, dass wir unseren Kindern ebenfalls immer wieder unbewusst signalisieren: “Du bist nicht so wichtig wie etwas anderes (Anruf, Besuch, usw.), du stehst in meiner Prioritätenliste weit unten.” Natürlich wollen wir alle keine solchen Signale senden. Doch die Herausforderung ist, das überhaupt zu merken. Die meisten Menschen reflektieren ihr Verhalten nicht und leben ihr anerzogenes Muster. Das Muster kann z.B. sein, dass wir etwas so machen, weil es eben alle so machen! Sind wir ganz achtsam im Umgang mit unseren Kindern, so können wir jedoch solche Fallen erkennen! Um nur ein einfaches Beispiel zu nennen: Es ist ratsam, das Telefon weiterklingeln lassen, wenn wir mitten in der Pflege mit einem Kind sind oder am Geschichten erzählen sind. Im Zeitalter des Telefonbeantworters sollte das ja kein Problem sein! Auf diese Art signalisieren wir wortlos, dass das Kind uns im Moment am wichtigsten ist und das ist Balsam für seine Seele! Damit ist aber nicht gemeint, dass wir den ganzen Tag immer nur neben dem Kind zu sitzen haben. Abgesehen davon, dass das ebenfalls sehr spannend sein kann! Es ist nämlich im Gegenzug auch sehr heilend, wenn wir den Kindern die Möglichkeit bieten, sich selbst zu nähren in ihrem selbstbestimmten Tun! Oder mit anderen Worten: Wir ermöglichen dem Kind, sich selbst zu spüren und mit sich selbst etwas anzufangen (an dieser Fähigkeit mangelt es selbst vielen Erwachsenen!). Dafür gilt es aber eine wichtige Voraussetzung zu erfüllen: Es braucht das, was die meisten Menschen nicht haben, Z E I T. So sind die meisten Mütter von uns bemüht, so gut wie möglich Alltagsstress zu vermeiden.

Eine weitere Frage beschäftigte uns: Wie kann eine Mutter (oder Vater) ihr Kind nähren, wenn sie selber nicht genügend mit Liebe und Respekt genährt ist oder unbefriedigende Bedürfnisse aus der Kindheit hat? Dieser Thematik hatte sich auch der Pädagoge Heinrich Jacoby intensiv gewidmet. Er war überzeugt, dass auf dem Weg zum kompetenten Erzieher eine persönliche Entwicklung vonnöten sei, eine bewusste, prozesshafte Nachentfaltung. Mehr darüber kann man im Buch ‘Entfaltung statt Erziehung, die Pädagogik Heinrich Jacobys’ von Walter Biedermann nachlesen. Allerdings waren wir uns auch einig, dass die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund treten können, sofern wir es schaffen, voll und ganz in die Welt der Kinder einzutauchen und mit der Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt zu sein!

Wie immer nach den Elterninspirationen philosophierten mein Mann und ich später noch weiter. Wir kommen darauf, dass eigentlich ALLES Nahrung ist. Wir als Eltern sind Nahrung, einzig und allein mit unserem Dasein, unsere Art und Weise ist Nahrung, die Geschwister sind Nahrung, die Umgebung ist Nahrung. Lachen und Gesang ist Nahrung für unser Herz, Körperkontakt stillt unseren Hunger nach Berührung, ein Sonnenuntergang am Meer stillt unseren Hunger nach Stille oder Schönheit. Jeder Mensch ist auch für sich selbst nährend, im Sinne eines autopoietischen Systems, das alles was und wie es etwas ausdrückt oder produziert (tun, denken, fühlen, usw), immer in einer Art und Weise rekursiv auf sich selbst zurück wirkt.

Nur schon, wenn man in das Feld dieses Themas eintaucht, eröffnet sich eine riesige Dimension. Man könnte auch sagen, dass dieses Thema ein Lebensthema ist!

Grenzen mit Kindern

Sonntag, Januar 4th, 2009

Aus dem Bedürfnis uns noch intensiver über unseren Alltag mit den Kindern auszutauschen und miteinander zu wachsen, ist im vergangenen Herbst die *Eltern-Inspiration* entstanden. Wir, vier Unschooling-Mütter aus der Ostschweiz, treffen uns nebst den wöchentlichen Pro-Lernen-Treffs regelmässig ohne Kinder für einige Stunden und reflektieren dabei über die verschiedensten Themen im Zusammenhang mit unseren Kindern. Gegenseitig haben wir uns auch autorisiert, dass wir uns ehrliche Rückmeldungen geben dürfen. Obwohl wir uns jeweils einen ganzen Morgen treffen, verfliegen die Stunden im Nu und die Gespräche sind immer sehr profund, lebendig und bereichernd.

Unser momentanes Schwerpunkt-Thema heisst: Grenzen mit Kindern! Wir Unschooler werden oft mit antiautoritärer Erziehung in den gleichen Topf geworfen. Meistens wird angenommen, dass unsere Kinder ALLES dürfen, da sie ja nicht zur Schule müssen und selber entscheiden dürfen, was sie gerade tun und lernen wollen. Da wir aber unsere Kinder weder antiautoritär erziehen noch überhaupt erziehen wollen, führt das bei Vielen zu Verwirrungen.

Einige unserer LieblingsautorenInnen wie Naomi Aldort, John Holt, Marshall Rosenberg, Jesper Juul, Rebeca Wild und Andere bilden die Basis für unseren Austausch. Es geht vor allem ums wo setze ich Grenzen, wie setze ich Grenzen und wie helfe ich dem Kind dabei, die Grenze einzuhalten. Darüber könnte man jetzt natürlich ein ganzes Buch schreiben, doch ich werde versuchen, unser profundes Gespräch auf einige Kernsätze zusammenzufassen:

Beim wo setze ich Grenzen kamen wir schnell zum Schluss, dass wir so die Grenzen setzen, dass für alle Beteiligten eine entspannte Umgebung gewährleistet ist. Eine entspannte Umgebung bedeutet, dass sich ein Mensch, egal welchen Alters, körperlich und emotional sicher und wohl fühlt.

Natürlich gibt es viele Arten, wie man Grenzen setzen kann. Für uns ist immer wieder spannend, wie unterschiedlich berühmte Autoren das Thema Grenzen angehen. Während Wild’s z.B. gerne die Grenzen so knapp wie möglich erklären, setzt Jesper Juul die Grenzen bei sich selber statt beim Kind, indem er sagt: ICH will das nicht. Wie es Marshall Rosenberg angeht, ist im Beispiel unten beschrieben. Bei Naomi Aldort ist alles nochmals anders. Mit ihrer wunderschönen Formel S.A.L.V.E (S für stummes Selbstgespräch, A für Aufmerksamkeit, L für Lauschen, V für Verständnis und E für Ermutigen) schafft sie einen einfühlsvollen Zugang zum Kind.

Damit sich ein Kind auch an Grenzen halten kann, ist es wichtig, ihm dabei zu helfen. Es gibt materielle Hilfen wie z.B. Kisten und Gestelle, welche das Ordnung halten erleichtern. Andere Arten von Hilfen können sein: mit dem Kind vorausplanen, Zeit geben, das Kind physisch begleiten, und ganz wichtig auch, dass wir als Grenzsetzer zur Grenze stehen, vorausgesetzt dass die Grenze Sinn macht. Dies sollte man sich allerdings vorher schon gut überlegen! Ein Kind kann sich nämlich ziemlich allein, verlassen und verunsichert fühlen, wenn wir plötzlich von der Grenze abweichen und nachgeben.

An einem Beispiel aus unserer Entdeckungsreise zum Thema Grenzen mit Kindern, welche wir zusammen an der letzten Eltern-Inspiration gemacht haben, möchte ich kurz erläutern, wie man ohne Stress ein Kind an eine Grenze erinnern kann. Einstimmig sind wir nämlich der Meinung, dass auch das Aufräumen und Ordnung halten für uns wichtig sind. Das klingt auf den ersten Blick vielleicht gar nicht nach “entspannter Umgebung”. Interessanterweise machen wir aber alle die gleiche Erfahrung: Wenn nicht aufgeräumt ist, wird uns und den Kindern immer unwohler. Schon unzählige Male durften wir beobachten, wie unsere Kinder ein Zimmer oder eine Ecke tagelang mieden, bis die Unordnung dort wieder aufgeräumt wurde. Scheinbar sind wir Erwachsenen nicht die Einzigen, die so empfinden. Denn alle alternativen Schulen, welche nach dem Prinzip des selbstbestimmten Lernens funktionieren und welche wir besuchten, haben ausnahmslos die Regel des Aufräumens und der Ordnung. Wir machen aber auch die Erfahrung, dass das nicht die liebste Beschäftigung der Kinder ist und deshalb bieten wir den Kindern wertvolle Hilfe an. Anstatt: “Geh bitte das Zimmer aufräumen”, haben wir festgestellt, dass ein Kind ohne Murren kooperiert, wenn es vorbereitet wird und Zeit hat, sich darauf einzustellen und von uns bei Bedarf Begleitung bekommt. So könnte man es nach dem Prinzip der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg z.B. auf diese Weise angehen: “Ich habe gesehen, dass in Deinem Zimmer eine Riesen-Unordnung ist (Beobachtung) und es ärgert mich (Gefühl), wenn Du über alle diese Sachen läufst, denn ich möchte, dass sie unbeschädigt bleiben (Wunsch). Bist Du einverstanden, wenn wir morgen nach dem Frühstück miteinander dort aufräumen (Bitte)?” Das kommt bei Kindern mit grosser Wahrscheinlichkeit gut an. Mit dieser Art Kommunikation findet respektvoller Umgang in Kooperation statt und somit werden auch gegenseitige Grenzen respektiert.

Mein Mann und ich spekulierten am Abend noch weiter, dass die Art und Weise von Grenzen setzen vielleicht weit unbedeutender sein könnte, als derjenige selber, der die Grenzen setzt (wer). Authentische Kommunikation mit Spirit, den wir den oben erwähnten Buchautoren allen zugestehen, kommt nämlich bei jedem Menschen an.

Es ist uns klar, dass es kein Rezept mit nur richtigen Anleitungen gibt. Auffällig ist jedoch, wie die Gruppe der Eltern-Inspiration wirklich sehr viele gleiche Ansätze verfolgt, und gerade das macht das Zusammen-SEIN so befruchtend.