Archive for the ‘Rituale’ Category

Unsere Lernumgebung auf einen Blick

Samstag, Juni 19th, 2010

Vor bald einem Jahr haben wir damit begonnen, unsere Lernumgebung in unserem Haus drinnen zu beschreiben.  Sicher gäbe es noch sehr viele kleinere und auch grössere Details zu beschreiben und es versteht sich von selbst, dass auch eine anregende und natürliche Aussenumgebung dazu gehört. Wir pflegen auch zu sagen, dass die ganze Welt unsere Lernumgebung ist! Doch wir möchten nun mit diesem Blog dieses Projekt vorerst einmal abschliessen und wieder vermehrt aus unserem aktuellen Alltag berichten. Es ist uns klar, dass eine Lernumgebung immer unvollständig ist. Doch wir vertrauen voll und ganz unseren Kindern, welche uns stets ihre Bedürfnisse mitteilen. So wird sich auch unsere Lernumgebung immer wieder verändern, unseren Kindern anpassen und mit uns wachsen. Abschliessend und einer besserer Übersicht zuliebe haben wir unsere Lernumgebung nochmals zusammengefasst. Es hat Spass gemacht.

Ein Klick aufs Bild führt zum jeweiligen Blogeintrag.

Kinderbibliothek

Klang-Ecke

Mandalagalerie

 Malstation

Kinderzimmer mit Tücherhütte

Alchemisten - Labor

Computer-Station

'Pro-Lernen Zimmer' mit Zahlen- und Buchstabenmaterial

Material Französisch und Englisch

Interessen-Plätze

Bauraum und Rollenspiele

Puppengalerie

Näh-AtelierGestaltungszimmer

Traditionen

Mittwoch, September 24th, 2008

Im Appenzellerland werden alte Traditionen noch gelebt und gepflegt. Eine davon ist die Viehschau, welche alljährlich um den Herbstbeginn in Herisau stattfindet. Bauern aus der Umgebung nehmen teilweise weite Wege auf sich, um ihre schönsten Kühe zu präsentieren. Ca. 500 Kühe waren gestern alle auf einem Platz, jede Kuh in einer bestimmen Kategorienreihe, Kühe in Reih und Gliedeng aneinander gepfercht. Je mehr wir uns dem Geschehen näherten, desto lauter wurde es. Man stelle sich vor: 500 Kühe, die vielen Kuhglocken und das dauernde Muhen! Vor einem Jahr, als wir das erste Mal mit den Kindern an die Viehschau gingen, fragten unsere Kinder als sie sich dem Anlass näherten, was denn das für eine laute Musik sei? Diesmal beschäftigte unsere Kinder eine andere Frage: "Stimmt es, dass die Kühe hier gar nichts zum Essen und zum Trinken bekommen und den ganzen Tag so eng angebunden sein müssen?" Ja, das stimmt. Was für die Bauern ein Highlight des Jahres ist, ist für die Tiere sicher alles andere als ein festlicher Ausflug. Traditionelle Einreihung des ZugesEs gefällt mir, wenn unsere Kinder selbstverständliche Dinge kritisch zu betrachten und zu hinterfragen beginnen. Zum Abschluss schauten wir uns noch an, wie die Bauern mit ihren Kühen sich auf den Heimweg machten. Das sah richtig idyllisch, ja fast bilderbuchmässig aus. Die Kinder waren fasziniert und staunten. Etwas später staunten sie noch mehr, als sie realisierten, dass die von den Kühen stark beschmutzte Strasse bereits nach einer Viertelstunde, ganz schweizerisch, wieder blitzblank sauber geputzt worden war.

Pro-Lernen – Treff im Wald

Dienstag, Mai 27th, 2008

Bei trockenem und warmem Wetter trafen sich die Appenzeller-Unschooler einmal mehr im Wald.

Nalin und Ayiana Feuer entfachen

Es gibt einige Rituale, welche sich jedesmal wiederholen wie z.B. Holz sammeln, Feuer entfachen und Kochen. Beim Sammeln des Holzes helfen manchmal alle von Gross bis Klein, manchmal sind die Kinder aber auch sehr schnell in intensives Spielen und Erkunden des Waldes und Baches vertieft, sodass wir Erwachsenen die Arbeit des Holz Suchens übernehmen. Spätestens aber beim spannenden Entfachen des Feuers trudeln die meisten Kinder wieder ein und freuen sich, wenn sie mithelfen dürfen. In der speziellen Atmosphäre des Feuers fühlen sich die Kinder wohl und erleben hautnah, wie dieses Element Wärme spendet, Wasser zum Kochen bringt, Nahrungsmittel verändert, nasse Kleider trocknet, Der Fantasie sind (fast) keine Grenzen gesetzt Einfach köstlich!

und sie werden sich aber gleichzeitig auch den Gefahren des Verbrennens bewusst. Was man alles mit einem Feuer kochen und bräteln und schmoren kann, probieren wir jedesmal aufs Neue aus und dürfen dabei viel lernen. Von Schlangenbrot, Schoggibananen, diversen Suppen bis zu Gemüse wurde schon viel experimentiert. Als Krönung wurde heute sogar ein Kaffee über dem Feuer gebraut – allerdings nur für die Erwachsenen! So richten wir es uns immer besser und besser ein, stets mit dem Fokus, dass es für alle Beteiligten stimmig ist.

Zahnlückenfest

Sonntag, März 16th, 2008

Vor einigen Wochen begann Sara der erste Milchzahn zu wackeln. Dies veranlasste uns, das wirklich sehr empfehlenswerte Buch "Das Wackelzahnbuch" von Iwona Radünz/Thomas Röhner zu kaufen. Mittlerweile kennt Sara das Buch schon fast auswendig und sie zeigt es gerne allen Freunden und Bekannten. Ihr Interesse an Zähnen ist im Moment sehr gross und sie ist reif, viel Hintergrundwissen über die Zähne zu lernen und zu verstehen. Die letzte Seite des Buches, nämlich die Zahngalerie mit Fotos von ihr selber, liebt sie ganz besonders und egal wohin wir gehen, dieses Buch fehlt auf keinen Fall. Als dann der erste Wackelzahn rausflog, wünschte sich Sara zu Ehren dieses denkwürdigen Ereignisses ein Zahnlückenfest. Hierfür hat sie eigens acht Kindern, welche in die öffentliche Schule gehen (im Alter von 6 bis 9 Jahren) eine Einladung geschrieben. Sara war schon Tage zuvor aufgeregt. Am Tag des Festes backte sie ihren Lieblingskuchen gleich in der dreifachen MengeP3141229 und als es schliesslich soweit war, holte sie die Kinder von der Schule ab. Wir hatten zwei lustige Spiele vorbereitet, bei denen es weder Gewinner noch Verlierer gab und zwischendurch wurde zur Lieblingsmusik von Sara getanzt.  Mich überraschte die sprudelige Eigeninitiative der äusserst fröhlichen und pfiffigen Kinderschar. Immer wieder brachte ein Kind eine Idee ein, welche von den anderen gut aufgenommen und umgesetzt wurde. Nachdem auch jedes Kind ein Zahnlückenbrötchen geknetet, geformt und schliesslich gebacken hatte, wurde noch draussen Fangen und Verstecken gespielt.  Die Zeit verging wie im Flug und die Kinder wollten und wollten nicht mehr nach Hause! Ein Mädchen meinte, das sei das schönstes Kinderfest gewesen, das sie je erlebt habe. Diese Empfindung ist natürlich subjektiv. Doch auch mir hat es sehr gut gefallen, da es eine wirklich sehr harmonische, friedliche und humorvolle Kindergruppe gewesen ist. Zum Schluss gab es noch einen Lacher, als ein Mädchen meinte, sie wolle noch rasch ihren "Tönü" holen. "Tönü?????" Was ist denn das? Unsere Kinder und ich haben dieses Wort noch nie gehört. Die anwesenden Kinder waren darüber überrascht und versuchten es uns zu erklären: "Das ist so eine Tasche zum Umhängen, da müssen wir die Hausaufgaben versorgen und . . . . . . ." Ach sooooo, jetzt verstand ich. Ein "Tönü" ist eine Schultasche!!!!! Das konnten wir nun aber wirklich nicht wissen!!! Wir kugelten uns alle vor lachen.

"Ohne Beruf"

Sonntag, Dezember 23rd, 2007

Als ich mit unseren drei Kindern in der nahen Stadt St. Gallen einkaufen ging, spricht mich ein älterer Herr an und bemerkt, dass ich sicher nicht zur Arbeit ginge. Als ich selbstverständlich verneine, obwohl ich eigentlich nur am Arbeiten bin, gibt er mir einen Zettel in die Hand und meint dazu, dass ich zusammen mit den Kindern einen schönen Anblick schenke. Dann ging dieser Mann wieder von dannen.

Auf diesem Zettel stand Folgendes geschrieben:
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"Ohne Beruf" – so stand auf dem Pass.
Ich schaute und schaute und staunte nur bass.

"Ohne Beruf" stand da zu lesen,
und dabei ist sie doch das nützlichste Wesen!

Als Köchin für sämtliche Lieblingsspeisen,
als Packer, wenn es geht auf Reisen.

Als Schneiderin, wenn die Kleider zerrissen,
zu Festen bereiten die Leckerbissen!

Als Chirurg, wenn ein Dorn in die Finger gesplittert.
Schiedsmann bei Kämpfen erbost und erbittert.

Als Märchenerzählerin ohne ermüden,
als Hüterin des Hauses Frieden.
Als Puppendoktor, als Dekorateur,
als Gärtner, Konditor und als Friseur,
als Pflegerin in Krankheitstagen.
Unzählige Titel könnte ich noch sagen.

Frauen, die Gott zum Segen erschuf.
Und das nennt die Welt dann "Ohne Beruf"!

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* Dieses Gedicht habe ich hier 1zu1 abgebildet.

Als Familie, die Bildung zu Hause praktiziert, könnten wir wirklich noch unzählige Titel hinzufügen.

Samichlaus

Montag, Dezember 10th, 2007

Die Tradition des Sankt Nikolaus ist in unserer Gegend stark verankert und so stattete auch uns der Samichlaus einen Besuch ab. Wie andere Jahre auch schon war es wieder ein guter Freund von uns, welcher  die Rolle als Samichlaus einnahm. Da er unsere Kinder gut kennt, konnte er ganz spezifisch auf sie eingehen und auch die Gestaltungs-Ideen der Eltern gut integrieren. PC090538 Schon Tage zuvor warteten unsere Kinder aufgeregt auf dieses Ereignis und bereiteten zu dritt ein Tänzchen vor. Mit dem Samichlaus sprachen sie wie mit einem alten Bekannten (vielleicht lag dies an der ihnen vertrauten Stimme!) und sie erzählten ihm so viel, dass er manchmal kaum mehr zu Wort kam. Im Nachhinein wunderte sich Sara, dass der Samichlaus seinen Bart mit der Hand raufziehen konnte. "Du Mama, das hat ausgesehen, als ob das ein Verkleidebart wäre!" Angst vor dem Samichlaus hatten sie noch nie, schliesslich kennen sie auch die Legende des St. Nikolaus und wissen, dass dieser ein lieber Mann war. Aufgrund dieser Legende wollte Sara dann wissen, wo denn die Leute wohnen, die nichts zu essen haben. Dank des Internets und des Buches "Das Bild der Menschenrechte" war es uns möglich,  ziemlich schnell zu Bildern aus verschiedensten Slums zu kommen, welche nicht nur Sara betroffen und mitfühlend machten. So ergeben sich oft ganz unerwartet Lernsituationen, die uns allen neue Horizonte und Sichtweisen eröffnen.