Unsere Lernumgebung ist dauernd in Entwicklung und passt sich immer wieder neu den authentischen Bedürfnissen unserer Kinder an. Wie die Handwerker-Ecke bei uns entstanden ist, kann man hier lesen. Für den Anfang hatte eine weiche Matte am Boden mit den Handwerker-Materialien obendrauf gut gedient. Irgendwann improvisierten wir aus zwei niedrigen Tischchen eine Art Werkbank. Das Hämmern und Handbohren, das Schleifen und Feilen darauf klappte ganz gut, das Sägen allerdings war schwierig und wurde schliesslich am Küchentisch ausgeübt Verwirrtes Smiley . Hm, das war jedoch auch nicht die optimale Lösung, zumal unser Sohn oftmals aus dem Sägeflow gerissen werden musste, wenn der Tisch fürs Essen gedeckt werden wollte. . . . . . . Es zeigte sich auch, dass das Bedürfnis nach Werken und Arbeiten mit Holz sichtlich vorhanden war und so entschlossen wir uns, eine Werkbank zu kaufen und in unseren Wintergarten zu stellen. Dies war ein guter Entscheid und alle unsere Kinder freuen sich an dieser Bereicherung der Lernumgebung. Es wird gesägt, geschraubt, gehämmert und endlich können mit Papa’s Bohrmaschine hunderte von Löchern in die Hölzer gebohrt werden. . . . . . .

Kürzlich reparierten Nalin und Olivia unsere morsche Gartenbank und dabei leistete die neue Werkbank immer wieder gute Dienste. Es wurden die alten Bretter abgeschraubt oder abgesägt, alte Bretter gemessen, Holzmenge für neue Bretter ausgerechnet, Holz angeschafft, wieder abgemessen, zugesägt, geschliffen, Farbe ausgewählt und angemalt, noch ein zweites Mal angemalt und zu guter Letzt wieder alle Bretter mit dem Schraubenzieher und dem Bohrer angeschraubt. Und fertig war die schöne Gartenbank.

Das war der Anfang:

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So ist es weitergegangen:

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Und so sieht es jetzt aus:

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Nalin und Olivia frischen die Gartenbank auf:

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Nun warten bereits neue Werk-Projekte auf ihre Verwirklichung. . . . . . .

P1010706Unser Sohn bekam kürzlich zu seinem 8. Geburtstag ein Geschenk, an welchem er ganz besonders grosse Freude hat. Es war ein Schweizer Taschenmesser mit diversen Messerfunktionen sowie einer kleinen Säge. Das Tüpfelchen auf dem ‘i’ war für ihn die Eingrafierung seines Namens sowie die dünne Kette, mit welcher er das Taschenmesser an seiner Hose befestigen kann.

Natürlich ist es nicht das erste Mal, dass unser Sohn ein Taschenmesser in der Hand hat und die Faszination dafür war schon immer gross. Schon oft hat er im Wald Stöcke beschnitzt und bespitzt. Es scheint, dass der Zeitpunkt für ein eigenes Taschenmesser bei ihm perfekt gepasst hat, denn er liebt dieses Geschenk so sehr, dass er es überall hin mitnimmt. Als wir vor kurzem in unsere Feriendestination gereist sind, da kam nicht nur das Taschenmesser mit, sondern auch etliche Schnitzstöcke aus Haselholz und es wurde oft an einem lauschigen Schattenplätzchen geschnitzt. Unserem Sohn macht das Schnitzen sichtlich Spass.

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Das Werken mit einem Messer birgt viele Qualitäten in sich. Das Schnitzen ist eine Möglichkeit, etwas zu schaffen und zu formen, es stärkt die Konzentrationsfähigkeit sowie auch die Ausdauer, die Koordinationsfähigkeit, die Feinmotorik, die muskuläre Entwicklung der Hände, die Wahrnehmung für die Beschaffenheit des Werkstoffes, das Formgefühl, die Kreativität und Fantasie, die Sicherheit im Umgang mit gefährlichen Gegenständen und die Verantwortung für das eigene Handeln. 

Zum Geschenk gehörte auch das Buch ‘Werken mit dem Taschenmesser, 26 Schnitzanleitungen, vom Klangstab bis zum Segelboot’ von Felix Immler. Das Buch beinhaltet viele interessante Schnitzanleitungen, welche alle mit dem Taschenmesser ausgeführt werden können. Ein weiteres Buch, das schon seit längerem in unserer Kinderbibliothek auf sich wartet, inspiriert uns ebenfalls für einfachere und kreative Schnitzarbeiten: ‘Schnitzen mit Kindern. Kreativ und einfach’  von Frank Egholm.

Vor bald einem Jahr haben wir damit begonnen, unsere Lernumgebung in unserem Haus drinnen zu beschreiben.  Sicher gäbe es noch sehr viele kleinere und auch grössere Details zu beschreiben und es versteht sich von selbst, dass auch eine anregende und natürliche Aussenumgebung dazu gehört. Wir pflegen auch zu sagen, dass die ganze Welt unsere Lernumgebung ist! Doch wir möchten nun mit diesem Blog dieses Projekt vorerst einmal abschliessen und wieder vermehrt aus unserem aktuellen Alltag berichten. Es ist uns klar, dass eine Lernumgebung immer unvollständig ist. Doch wir vertrauen voll und ganz unseren Kindern, welche uns stets ihre Bedürfnisse mitteilen. So wird sich auch unsere Lernumgebung immer wieder verändern, unseren Kindern anpassen und mit uns wachsen. Abschliessend und einer besserer Übersicht zuliebe haben wir unsere Lernumgebung nochmals zusammengefasst. Es hat Spass gemacht.

Ein Klick aufs Bild führt zum jeweiligen Blogeintrag.

KinderbibliothekKlang-Ecke

Mandalagalerie Malstation

Kinderzimmer mit TücherhütteAlchemisten - Labor

Computer-Station'Pro-Lernen Zimmer' mit Zahlen- und Buchstabenmaterial

Material Französisch und EnglischInteressen-Plätze

Bauraum und RollenspielePuppengalerie

Näh-AtelierGestaltungszimmer

Als unser Sohn Nalin begann, Papa’s Handwerker-Kiste auszuräumen und mit den Werkzeugen unser Handwerker-EckeHaus zu erkunden, war der Zeitpunkt reif für eine Handwerker-Ecke!  In einer ungefährlichen Ecke des Hauses (im Wohnzimmer ;-() richteten wir für ihn Material her, um mit Nägeln in allen Grössen, mit Hammer, Schrauben und Schraubenzieher, Gummibändern, Feilen, Schleifpapier, Meter, Restenholz, usw. experimentieren zu können, ohne dass wir um unser Haus zu bangen brauchten! Schliesslich faszinierte die fertige Handwerker-Ecke aber nicht nur Nalin, sondern auch seine beiden Schwestern. Abgesehen von den phasenweise ‘nicht enden wollenden hammerschlagenden Geräuschen’ sind auch wir Eltern fasziniert, wie jedes unserer Kinder mit völlig unterschiedlicher Motivation an diese Werkzeuge herangeht und ausprobiert. So ist es bei dem einen Kind die pure Freude am rhythmischen Hämmern, beim anderen ist es, weil es einen Gegenstand für ein Rollenspiel braucht und wieder beim anderen, weil es in die Rolle eines Handwerkers schlüpft!

Momentan haben wir die Handwerker-Ecke aus Platzgründen in den Wintergarten verlegt, da inzwischen fast das gesamte Material vom Bauraum von dort in den Wohnbereich verlegt wurde.

So lassen wir uns von den Kinder immer wieder den Weg zeigen, wie wir die Lernumgebung gestalten können und bis jetzt hat es immer funktioniert!

Unser Wintergarten wird eigentlich nur im Winter seinem Namen gerecht! Vom Frühling bis zum Herbst ist dieser 25 m2 grosse  Raum viel eher ein Kinderbaugarten. Unsere Kinder finden hier viele kleine Figuren und Mini-Zubehör für Rollenspiele sowie eine Fülle von Bauklötzen in allen Variationen. Spielen mit Klötzen erfüllt ein Grundbedürfnis der Kinder nach räumlichem Gestalten und auch danach, sich selbst in einen Raum einzubinden. Bauraum und RollenspieleHierbei werden spielend Erfahrungen gesammelt, werden die eigenen Fähigkeiten der Gestaltung erprobt und entwickelt und es wird die individuelle Geschicklichkeit erkannt. Es werden aber auch Geduld und Konzentration geübt und Umwelterfahrungen eingebracht. Dadurch, dass sich im Bauspiel schöpferisches Denken, Konzentration und viele andere psychische Eigenschaften herausbilden, beginnen sich wichtige Persönlichkeitsmerkmale zu entwickeln. Unsere Kinder lieben diesen Raum und meistens werden ganze Geschichten in ein Bauwerk umgewandelt. In unseren Blogeinträgen Rollenspiele und Mehr als nur ein Spiel haben wir auch schon darüber berichtet.    

Im Moment ist es im Wintergarten wirklich winterlich und zu kalt, um sich dort zum Spielen aufzuhalten. Während wir andere Jahre all die Materialien in den warmen Wohnbereich gezügelt hatten, haben wir dieses Jahr bewusst darauf verzichtet, nicht zuletzt auch wegen Platzgründen!! Doch mittlerweile haben sich die Kinder immer mal wieder ein bisschen Material nach drinnen geholt und aus ‘ein bisschen’ ist inzwischen schon ganz schön viel geworden! Das zeigt aber auf eine schöne Art und Weise, dass Bauen und Rollenspiele ein Grundbedürfnis von (unseren) Kindern ist.

Die Aussage ‘Bauen – eine von hundert Sprachen der Kinder!’ können wir voll und ganz unterschreiben.

Unser Gestaltungszimmer ist ein ‘Sammelsurium’ von unstrukturiertem Material und Materialien zum Werken, Gestalten und Kreativ-Sein. Viele dieser Materialien finden wir in der Natur wie z.B. Muscheln, Federn, Blütenblätter, Steine, Schneckenhäuser, Tannenzapfen, Rinde, Kastanien, Nussschalen, Sand. Wieder andere Materialien sind direkt aus dem Haushalt wie Deckel von Gläsern, Becher von Rahm, Kartonschalen von Früchten, Korkzapfen, leere Fläschchen, Schachteln, Dosen, Bierdeckel, Kartonrollen, Bänderrollen, leere Zündholzschachteln, Kerzenresten oder Seifenresten. Kürzlich bekamen wir zwei grosse Schachteln farbiges Papier und Karton in bester Qualität von einer Druckerfirma geschenkt, welche dies als Abfallpapier wegwerfen Gestaltungszimmerwollte. Weiter findet man in diesem Zimmer Wolle, Schnüre, Rohwolle, Ton, Gips, Bast, Farben, Stoffe, Perlen, Knöpfe, Kugeln, Tücher, Mosaiksteine, Draht, Watte, Seidenpapier, Goldfolie, Transparentpapier, Servietten, Strohstängel, Zimtstengel, Speckstein, eine Malstation, Krimskrams, usw. usf. und natürlich auch das jeweils zugehörige Werkzeug sowie Bastel-und Werkbücher.   Zudem hat es in diesem Zimmer eine Tücherkiste fürs Bauen von Hütten und Höhlen und auch einen Schrank voller Kleider zum Verkleiden. 

Gerade kürzlich haben wir dieses Zimmer etwas aufgefrischt und mit einem zusätzliches Gestell bereichert, was eine bessere Übersicht der Materialien ermöglicht. Zudem haben wir alle geschlossenen Schachteln und Schubladen mit deren Inhalt beschriftet, was den Kindern erleichtert, das gewünschte Material zu finden oder auch wieder zu versorgen. Auch hat es sich bis jetzt sehr gut bewährt, den Boden mit einem festen Tischtuch aus Plastik abzudecken. So ist der darunterliegende Parkettboden gut geschützt und wird geschont, wenn darauf gewerkt und daneben gekleckert wird.

Es gibt für unsere Kinder unterschiedliche Gründe, sich im Gestaltungszimmer aufzuhalten: Entweder sie brauchen einen Gegenstand für ein Rollenspiel und werken sich mit dem vorhandenen Material das Gewünschte. Oder aber sie lassen sich vom Material inspirieren und es gibt daraus ein beliebiges Objekt. Es gibt auch Materialien, welche meine volle Begleitung und auch etwas Vorbereitung meinerseits benötigen, wie z.B. Filzen oder Tonen, und dann bestimmen wir jeweils gemeinsam den geeigneten Zeitpunkt für dieses Vorhaben.

Nicht nur die Kinder, sondern auch wir als Eltern freuen uns über diesen einladenden Raum. Dieser ist allerdings nicht von 0 auf 100 entstanden. Das Einrichten reifte ganz langsam, veränderte sich während den Jahren und entwickelt sich dauernd weiter.

Über die Malstation, welche sich ebenfalls in diesem Zimmer befindet, berichten wir in einem separatem Blog.

Immer wieder sind Sara und Olivia mit einer Gestaltarbeit beschäftigt. Zur Zeit arbeiten sie an mehreren Objekten mit verschiedenen Techniken gleichzeitig: Glasuntersetzer mit Rundweben, Kleine Teppiche am Webrahmen weben, Wollbilder trocken filzen, Bälle nass filzen,Untersetzer und Teppichnass gefilzte BilderBall filzen   Kumihimo-Schnüre flechten, Fadenstern-Schnüre knöpfen und kleine Körbchen aus Bast flechten. Das Weben und Flechten sind Arbeiten, welche sie immer wieder ein Stück weitermachen. Es gibt Tage, da wird mit viel Ausdauer und Geduld an einem Gegenstand gearbeitet, während es andererseits Tage gibt, wo die angefangenen Arbeiten nur kurz weitergeführt werden oder ganz liegen bleiben, bis das Bedürfnis daran zu arbeiten wieder zurückkehrt. Oft geht es gar nicht um den Gegenstand selber, sondern um die Freude am Tun. So haben wir seit 2 Jahren Specksteine, an welchen geschliffen und gefeilt wird, ohne dass etwas Bestimmtes entsteht. Ist keine Lust mehr zum Weitermachen vorhanden, so werden die Specksteine wieder versorgt und es wird ein anderes Mal daran weitergearbeitet. Brauchen die Kinder aber etwas z.B. für ein Rollenspiel, dann wird der Gegenstand von den Kindern schnell hergestellt, damit er auch sofort fürs Spiel benutzt werden kann.

Schnüre und Bändeli knöpfenFlechtkörbchen und FantasiebaumWeben

In unserem Gestaltungszimmer haben wir eine grosszügige Auswahl an vielen unstrukturierten Materialien wie Wolle, Schnüre, Karton, Papier, Kork, Filzmaterial, Ton, Gips, Bast, Naturmaterialien, Farben, Stoffe, Rollen, Perlen, Knöpfe, Kugeln, Tücher, Gläserdeckel, Krimskrams, usw. usw. und natürlich viele Bastel-und Werkbücher. Die Kinder lieben es, dort etwas auszuwählen und sich anschliessend ein Fantasiebild zusammen zu leimen. Manchmal blättern sie ein Buch durch und entdecken etwas, das sie gerne selber machen würden oder ich mache einen Vorschlag und wir machen etwas gemeinsam.

So haben die Kinder immer wieder die Möglichkeit, mit anderen Materialien und neuen Techniken zu werken und zu gestalten.