Archive for the ‘Gestalten’ Category

Unsere Lernumgebung auf einen Blick

Samstag, Juni 19th, 2010

Vor bald einem Jahr haben wir damit begonnen, unsere Lernumgebung in unserem Haus drinnen zu beschreiben.  Sicher gäbe es noch sehr viele kleinere und auch grössere Details zu beschreiben und es versteht sich von selbst, dass auch eine anregende und natürliche Aussenumgebung dazu gehört. Wir pflegen auch zu sagen, dass die ganze Welt unsere Lernumgebung ist! Doch wir möchten nun mit diesem Blog dieses Projekt vorerst einmal abschliessen und wieder vermehrt aus unserem aktuellen Alltag berichten. Es ist uns klar, dass eine Lernumgebung immer unvollständig ist. Doch wir vertrauen voll und ganz unseren Kindern, welche uns stets ihre Bedürfnisse mitteilen. So wird sich auch unsere Lernumgebung immer wieder verändern, unseren Kindern anpassen und mit uns wachsen. Abschliessend und einer besserer Übersicht zuliebe haben wir unsere Lernumgebung nochmals zusammengefasst. Es hat Spass gemacht.

Ein Klick aufs Bild führt zum jeweiligen Blogeintrag.

Kinderbibliothek

Klang-Ecke

Mandalagalerie

 Malstation

Kinderzimmer mit Tücherhütte

Alchemisten - Labor

Computer-Station

'Pro-Lernen Zimmer' mit Zahlen- und Buchstabenmaterial

Material Französisch und Englisch

Interessen-Plätze

Bauraum und Rollenspiele

Puppengalerie

Näh-AtelierGestaltungszimmer

Malstation

Montag, August 17th, 2009

Vor über zwei Jahren haben wir unsere Malstation à la Arno Stern eingeweiht. Darüber haben wir hier berichtet. Mittlerweile wurden schon sehr viele Bilder damit gemalt und die Kinder sind nach wie vor fasziniert von den Möglichkeiten und der Art, sich ausdrücken zu dürfen. Auch Nalin, welcher vor zwei Jahren noch nicht verstand, dass er den Pinsel nicht von Farbtopf zu Farbtopf tunken durfte, da dadurch die Farben vermischt werden, malt nun mit viel Hingabe und Freude seine kleinen Kunstwerke. Wie ich schon in diesem Blog berichtet habe, nimmt die ‘dienende Haltung’ eine wichtige Rolle ein. Der Forscher und Pädagoge Arno Stern formuliert das so:

“Die dienende Einstellung unterscheidet sich grundsätzlich von einer belehrenden Beziehung zum Kind: Der Dienende im Malort vermittelt kein Wissen. Aber die gründliche Kenntnis des Formulationsablaufes bestimmt seine Haltung: Das Wissen um das Allgemeingültige schützt vor der Versuchung einer Anteilnahme am Persönlichen, vor der Lust, die entstehende Spur zu beurteilen oder gar zu deuten. Es ist zur Ausübung dieses Berufes unentbehrlich; nicht aber eine eigene Erfahrung im Umgang mit Pinsel und Farbe. Hier entsteht ja nicht ein Verhältnis wie zwischen dem vorbildlichen Meister und dem unerfahrenen Lehrling. Dienen heißt, in jedem Moment sich in die Lage aller versetzen, die hier spielen; dafür sorgen, dass sie durch nichts vom Wesentlichen abgelenkt werden; ihnen jede unnötige Mühe ersparen; sie vor jeder materiellen Besorgnis entlasten. Und auch wer nur von der Formulation erfährt, kann nicht mehr, wie so viele es tun, Kinderzeichnungen verbessern, beurteilen, kommentieren, deuten, wie Werke aufnehmen oder gar ausstellen, sondern wird sie als das anerkennen, was allein sie auszeichnet: als ein vom Kind erlebtes Spiel, das keinen Fremden einbezieht. Dieses Dienen ist – zum Unterschied von so vielen Beschäftigungen in unserer Gesellschaft – eine beglückende Tätigkeit, die nie zur Routine erschlafft.”

Schön, nicht wahr? Weiter schreibt er:

“Eines Tages ist mir aufgefallen, dass im Malort nicht Ähnliches wie zu Hause, wie in der Schule oder in der Psychologenpraxis entsteht. Anfangs glaubte ich, es läge an der aussergewöhnlichen Qualität der Werkzeuge, die ich den Kindern gab, während sie sonst wo mühsam ein bisschen verwässerte Farbe dem Malkasten abzugewinnen versuchten. Aber daran lag es nicht in erster Linie, sondern an der grundlegend verschiedenen Einstellung zum Malenden. Deshalb entstand hier eine nie zuvor geschehene Äußerung. Wer zu dieser Äußerung kommt, sich von allen Vorbildern und Vorstellungen befreit, hemmungslos die natürliche Spur entstehen lässt, kehrt zu seinem wahren Wesen zurück. Das Formulationsspiel im Malort ist keine Therapie sondern eben Therapie-vorbeugend, weil es Fähigkeiten fördert, die zur Entfaltung und Stärkung der Persönlichkeit führen.”Bild an der Malstation

Und genau in diesem Sinne haben wir die Malstation errichtet. Denn die Philosophie von Arno Stern passt genau zur Philosophie von unserem Bildungsprojekt ‘Pro-Lernen’ und ist bei uns nicht nur auf die Malstation bezogen. Faszinierend dabei ist, dass sein Sohn und seine Tochter nie zur Schule gegangen sind, sich nach dem Prinzip des selbstbestimmten Lernens zu Hause bildeten und heute beide ein selbständiges und erfolgreiches Leben führen. Mit einer Geisteshaltung wie der von Arno Stern kann man gar nicht anders als Unschooling praktizieren!

Gestaltungszimmer

Montag, Juli 20th, 2009

Unser Gestaltungszimmer ist ein ‘Sammelsurium’ von unstrukturiertem Material und Materialien zum Werken, Gestalten und Kreativ-Sein. Viele dieser Materialien finden wir in der Natur wie z.B. Muscheln, Federn, Blütenblätter, Steine, Schneckenhäuser, Tannenzapfen, Rinde, Kastanien, Nussschalen, Sand. Wieder andere Materialien sind direkt aus dem Haushalt wie Deckel von Gläsern, Becher von Rahm, Kartonschalen von Früchten, Korkzapfen, leere Fläschchen, Schachteln, Dosen, Bierdeckel, Kartonrollen, Bänderrollen, leere Zündholzschachteln, Kerzenresten oder Seifenresten. Kürzlich bekamen wir zwei grosse Schachteln farbiges Papier und Karton in bester Qualität von einer Druckerfirma geschenkt, welche dies als Abfallpapier wegwerfen Gestaltungszimmerwollte. Weiter findet man in diesem Zimmer Wolle, Schnüre, Rohwolle, Ton, Gips, Bast, Farben, Stoffe, Perlen, Knöpfe, Kugeln, Tücher, Mosaiksteine, Draht, Watte, Seidenpapier, Goldfolie, Transparentpapier, Servietten, Strohstängel, Zimtstengel, Speckstein, eine Malstation, Krimskrams, usw. usf. und natürlich auch das jeweils zugehörige Werkzeug sowie Bastel-und Werkbücher.   Zudem hat es in diesem Zimmer eine Tücherkiste fürs Bauen von Hütten und Höhlen und auch einen Schrank voller Kleider zum Verkleiden. 

Gerade kürzlich haben wir dieses Zimmer etwas aufgefrischt und mit einem zusätzliches Gestell bereichert, was eine bessere Übersicht der Materialien ermöglicht. Zudem haben wir alle geschlossenen Schachteln und Schubladen mit deren Inhalt beschriftet, was den Kindern erleichtert, das gewünschte Material zu finden oder auch wieder zu versorgen. Auch hat es sich bis jetzt sehr gut bewährt, den Boden mit einem festen Tischtuch aus Plastik abzudecken. So ist der darunterliegende Parkettboden gut geschützt und wird geschont, wenn darauf gewerkt und daneben gekleckert wird.

Es gibt für unsere Kinder unterschiedliche Gründe, sich im Gestaltungszimmer aufzuhalten: Entweder sie brauchen einen Gegenstand für ein Rollenspiel und werken sich mit dem vorhandenen Material das Gewünschte. Oder aber sie lassen sich vom Material inspirieren und es gibt daraus ein beliebiges Objekt. Es gibt auch Materialien, welche meine volle Begleitung und auch etwas Vorbereitung meinerseits benötigen, wie z.B. Filzen oder Tonen, und dann bestimmen wir jeweils gemeinsam den geeigneten Zeitpunkt für dieses Vorhaben.

Nicht nur die Kinder, sondern auch wir als Eltern freuen uns über diesen einladenden Raum. Dieser ist allerdings nicht von 0 auf 100 entstanden. Das Einrichten reifte ganz langsam, veränderte sich während den Jahren und entwickelt sich dauernd weiter.

Über die Malstation, welche sich ebenfalls in diesem Zimmer befindet, berichten wir in einem separatem Blog.

Inspirierende Lernumgebung

Freitag, Juni 19th, 2009

Gestalten im Weltenkasten

Obwohl wir es längst wissen, erfahren mein Mann und ich immer wieder neu, dass eine entspannte und anregende Lernumgebung essentiell ist. So haben wir uns bereits vor vielen Jahren nach der Geburt unserer ersten Tochter vorgenommen, nicht am Kind zu ‘schrauben’, sondern an uns selber und an der Lernumgebung der Kinder. Das bedeutet, dass sich unsere Umgebung dauernd am Verändern, am Anpassen und am Mitwachsen ist. Dass das Gestalten einer anregenden und inspirierenden Lernumgebung solch eine spannende und erfüllende  Aufgabe für mich sein kann, hätte ich zu Beginn nie gedacht! Das Schöne und gleichzeitig auch Herausfordernde daran ist, dass es nie endet! Aktuell haben wir einige bereits bestehende Dinge ergänzt und gleichzeitig auch Neues hinzugefügt.

Gestalten im Weltenkasten Inspiriert von Heleana Jehle, welche bei der ‘Kreativwerkstatt Karlstrasse’ mitarbeitet, gehört im Moment ein ‘Weltenkasten’ mit zu den begehrtesten Objekten. Erstaunlich ist, mit wie viel Geduld, Sorgfalt und Individualität die Kinder darin gestalten und auch anschliessend wieder alle Materialien in die Behälter zurück versorgen.

So lasse auch ich mich immer wieder gerne von interessanten Leuten inspirieren und freue mich jeweils, wenn es bei den Kindern ankommt.

Werken und Gestalten

Freitag, Oktober 24th, 2008

Immer wieder sind Sara und Olivia mit einer Gestaltarbeit beschäftigt. Zur Zeit arbeiten sie an mehreren Objekten mit verschiedenen Techniken gleichzeitig: Glasuntersetzer mit Rundweben, Kleine Teppiche am Webrahmen weben, Wollbilder trocken filzen, Bälle nass filzen,Untersetzer und Teppichnass gefilzte BilderBall filzen   Kumihimo-Schnüre flechten, Fadenstern-Schnüre knöpfen und kleine Körbchen aus Bast flechten. Das Weben und Flechten sind Arbeiten, welche sie immer wieder ein Stück weitermachen. Es gibt Tage, da wird mit viel Ausdauer und Geduld an einem Gegenstand gearbeitet, während es andererseits Tage gibt, wo die angefangenen Arbeiten nur kurz weitergeführt werden oder ganz liegen bleiben, bis das Bedürfnis daran zu arbeiten wieder zurückkehrt. Oft geht es gar nicht um den Gegenstand selber, sondern um die Freude am Tun. So haben wir seit 2 Jahren Specksteine, an welchen geschliffen und gefeilt wird, ohne dass etwas Bestimmtes entsteht. Ist keine Lust mehr zum Weitermachen vorhanden, so werden die Specksteine wieder versorgt und es wird ein anderes Mal daran weitergearbeitet. Brauchen die Kinder aber etwas z.B. für ein Rollenspiel, dann wird der Gegenstand von den Kindern schnell hergestellt, damit er auch sofort fürs Spiel benutzt werden kann.

Schnüre und Bändeli knöpfenFlechtkörbchen und FantasiebaumWeben

In unserem Gestaltungszimmer haben wir eine grosszügige Auswahl an vielen unstrukturierten Materialien wie Wolle, Schnüre, Karton, Papier, Kork, Filzmaterial, Ton, Gips, Bast, Naturmaterialien, Farben, Stoffe, Rollen, Perlen, Knöpfe, Kugeln, Tücher, Gläserdeckel, Krimskrams, usw. usw. und natürlich viele Bastel-und Werkbücher. Die Kinder lieben es, dort etwas auszuwählen und sich anschliessend ein Fantasiebild zusammen zu leimen. Manchmal blättern sie ein Buch durch und entdecken etwas, das sie gerne selber machen würden oder ich mache einen Vorschlag und wir machen etwas gemeinsam.

So haben die Kinder immer wieder die Möglichkeit, mit anderen Materialien und neuen Techniken zu werken und zu gestalten.