In all den aktuellen Diskussionen in Deutschland und in der Schweiz rund um das Thema Familie fragen wir uns immer: „Geht es nun um die Familie, was immer das auch ist, oder geht es um die Kinder?“ Und unsere Antwort ist auch jedes Mal dieselbe: „Es geht nicht um die Kinder!“ Es geht um die Politik. Es geht um die Wirtschaft. Es geht um die Steuern. Es geht um die Frauen. Es geht um die Emanzipation. Es geht um das Patriarchat. Es geht um Veränderung von Macht. Es geht um Familienformen und um viele Dinge mehr. Es geht aber nie um das Kindeswohl. Und das „Ver-rückte“ an der ganzen Sache ist, dass die Kinder implizit immer mitgemeint sind.

Die Fragestellung in einer Gesellschaft mit Kindern sollte ganz anders gestellt werden, indem nicht die Familie, sondern das Kind ins Zentrum gerückt werden sollte. Wie müssen wir uns organisieren, damit die Kinder eine optimale Umgebung vorfinden und sich dem inneren evolutionären Impuls folgend optimal entfalten können? Wie können wir die individuellen Lebensprozesse optimal begleiten, damit ein zukünftiger Erwachsener auf eine total unbekannte Zukunft optimal vorbereitet werden kann? Die Beantwortung dieser Fragen ergibt ganz andere Ausgestaltungsformen in der Begleitung unserer Kinder. Ob sich dann ein Kind in einer Familie, in einer familienähnlichen Struktur, von morgens bis abends in einer Schule oder sonst wo in einer Anstalt befindet, ist erst sekundär zu beantworten. Primär muss man sich mit den ersten Fragen auseinandersetzen. In der Familiendiskussion haben der Staat, die politischen Organe (links und rechts) und die Wirtschaft ganz andere Interessen. Ob individuelle Lebensprozesse gewahrt werden, interessieren weder Staat noch Politik noch Wirtschaft. Es hat sie noch nie interessiert. Und weil die individuellen Lebensprozesse nie ausreichend thematisiert wurden, sind sie in ihrer Subtilität auch nicht bekannt. Und weil die individuellen Lebensprozesse nie gewahrt wurden, kann auch nicht die dafür notwendige Subtilität erstellt werden. Es ist ein Teufelskreis aus dem es auszutreten gilt.

Dass ein Kind vor allem in den ersten drei Lebensjahren (Hirnentwicklung) durch seine Mutter und wenn möglich sogar bis ca. sechs Jahren (Lernentwicklung) durch ein stabiles Umfeld begleitet werden soll und nicht durch irgendwelche Anstalten, weiss jeder, der sich mit dem Thema Kind und Entwicklungsprozesse einmal tiefer beschäftigt hat. Lernen wir doch endlich einmal die natürlichen Lebensprozesse des aufwachsenden Menschen kennen und schaffen daraus ableitend die richtige Umgebung für unsere Kinder! Staat, Politik, Wirtschaft und die notwendigen Strukturen sowie die Wertschätzung für diejenigen, welche die Kinder begleiten, werden sich automatisch in die richtige Richtung verändern.

P1000435Noch bis vor kurzem hatten unsere Kinder noch keine Ahnung, was hinter dem Namen ‘Uni’ steckt. Das hat sich nun aber geändert. Denn dieses Frühjahr nahmen wir zum ersten Mal an drei von vier Vorlesungen teil, welche von ProfessorInnen der Universität St.Gallen (HSG) speziell für Kinder angeboten und  gehalten wurden. Wir fanden die Idee spannend, mal zusammen mit den Kinder die Uni zu besuchen und die Kinder erfahren und erleben zu lassen, was hinter einem Universitätsgebäude steckt, an welchem wir schon des Öfteren vorbei gefahren sind. Sie stellten stets viele Fragen wie zum Beispiel: Wie sieht es da drinnen aus, was wird da drinnen gemacht, können da alle Menschen hin? Was sind Professoren? Was ist eine Vorlesung? Ist das spannend? Welche Themen kann man an der Uni lernen? usw. Solche und viele andere Fragen beschäftigen unsere Kinder und deshalb waren die Vorlesungen eine ideale Gelegenheit, all dies einmal aus der Nähe zu erleben. Zudem kann ein Vortrag oder eine Vorlesung auch immer bildend und inspirierend sein.

So sassen unsere Kinder also kürzlich zum ersten Mal in dem grossen Audimax der Uni St.Gallen und. . . . . . .  sie waren begeistert von den Vorlesungen! Obwohl wir uns im Voraus nicht mit den Themen beschäftigt hatten, konnten sie den Vorlesungen gut folgen, fanden das eine spannender, das andere weniger, waren aber trotzdem immer interessiert. Unsere beiden Töchter fanden schnell mal für sich heraus, dass sie am liebsten zuvorderst sitzen möchten, denn das seien bestimmt die besten Plätze. Und so folgten sie jeweils für ca. 3/4 Stunden absolut konzentriert den Vorlesungen. Interessant zu beobachten war, dass sie jedes Mal mit ihren vollgeschriebenen Zetteln rauskamen und dann Zuhause vorlasen und erzählten, was sie alles gelernt hatten.

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Auch wir Eltern durften im Audimax mithören und somit in die Stimmung dort eintauchen. Spannend und auch logisch war die Tatsache, dass bei jedem der drei ProfessorInnen eine total andere Stimmung im Saal herrschte. Während es bei der einen Vorlesung absolut ruhig im Raum war und alle Kinder gebannt der Vorlesung folgten, so herrschte bei einer anderen Vorlesung eher kribbelige, ja fast nervöse Stimmung.  Hat vielleicht die grosse Kindergruppe als Kollektiv den Professor gespiegelt oder/und ist es daran gelegen, dass teilweise mehrere ganze Schulklassen mit ihren Lehrern an den Vorlesungen teilnahmen und man dabei auf den ersten Blick feststellen konnte, dass nicht alle Kinder freiwillig an der Kinder-Uni waren? Das wird wohl auch die Antwort darauf sein, weshalb zum Teil aus den Papieren, welche eigentlich für Notizen gedacht gewesen wären, schnell mal Papierflieger gebastelt und durch den Audimax geschleudert wurden. Unsere beiden Töchter haben das aber kaum mitbekommen, denn sie sassen ja zuvorderst
Smiley  und ihr Blick war nur auf die Leinwand, den Professor und ihre Notizen gerichtet. Zudem war ihr Kopf noch frei, denn sie konnten bereits den ganzen Vormittag in ihrem eigenen Rhythmus lernen und sich immer wieder genügend Bewegung verschaffen – im Gegensatz zu vielen Schülern, die ja schon den ganzen Vormittag dem vorgegebenen Schulrhythmus folgen mussten.

P1000463Auf jeden Fall hatten unsere beiden Töchter und auch unser Sohn wirklich Spass an den Vorlesungen und sie freuen sich bereits aufs nächste mal. Zudem sind sie gerade aktuell am Überlegen, was sie dann später mal an der Uni studieren werden . . . . . . .

Das ist nämlich gerade eine der vielen Fragen, die uns immer wieder gestellt werden: “Und was ist, wenn eure Kinder mal an der Uni studieren wollen?”  Nun, unsere Antwort darauf ist ganz einfach: “Wenn sie wirklich an die Uni wollen, dann werden sie alles dafür tun, um dieses Ziel zu erreichen. Und wir Eltern werden sie dabei unterstützend begleiten.”  So einfach ist das. Aber man könnte nun natürlich noch einwenden, dass man für einen Uni-Zugang schliesslich auch noch einen Matura-Abschluss braucht. Das stimmt heute allerdings nur noch zur Hälfte. Denn im Informationszeitalter braucht man nicht mehr unbedingt eine Vorlesung an einer Universität zu hören. Was vor wenigen Jahrzehnten noch absolut Science Fiction war und selbst bis heute noch viele nicht wahrhaben wollen, ist inzwischen bereits Realität geworden: Online-Kurse bieten die spannendsten Vorlesungen der berühmtesten Professoren an, weltweit und zum Nulltarif. Man nennt diese Vorlesungen Moocs (massiv open online courses). Es gibt viele Gründe, welche für diese Moocs sprechen. Lesen Sie selber, was die Zeitschrift ZEIT Online  dazu Interessantes publiziert: Das Internet revolutioniert die Bildung.

Nun, es ist ein spannendes Thema und wir sind nach wie vor uneingeschränkt zuversichtlich, dass unsere Kinder ihren Weg gehen werden, entweder mit oder ohne Uni, mit oder ohne Moocs.  Entscheidend ist, dass die Kinder jederzeit selber über ihre Bildungsinhalte entscheiden können.

In dem interessanten Buch Drive beschreibt der amerikanische Bestsellerautor Daniel H. Pink über Aufstieg und Fall von Motivation 2.0 (Belohnung und Bestrafung). Er nennt die bisherigen Motivationsarten Typ-E für extrinsisch. Die neue Motivationsart nennt er Typ-I für intrinsisch. Er nennt dabei drei Hauptantriebe im Menschen für Typ-I Verhalten:

  • Selbstbestimmung
  • Perfektion (für mich eine schlechte Übersetzung von mastery, ich würde sagen: die Bewältigung einer Aufgabe wird ständig besser, im Sinne einer Veredelung oder Vertiefung)
  • Sinnerfüllung

Obwohl dieses Buch für Management und Wirtschaft geschrieben ist, beschreibt er ein paar ausgewählten Typ-I Schulen wie z.B. Sudbury Valley School und andere von denen wir noch nie gehört haben.

In einem eigenen kurzen Kapitel schreibt er sogar über die Unschooling-Bewegung in den USA. Er beschreibt darin, dass die sogenannten “Unschooler” die Ersten waren, welche den Typ-I-Ansatz in der Erziehung angewendet haben. Er meint schlussendlich gar, dass die Bildungsinnovatoren von den Unschoolern einiges lernen könnten, indem er humoristisch sagt: “Lassen Sie sich im Hausunterricht eine Stunde geben.”

Er schreibt, dass das Typ-I-Verhalten erzeugt ist und nicht angeboren. Generell haben wir das Gefühl, dass im Buch immer noch gemeint ist, dass durch Aussenwirkung motiviert werden müsse. Da müssen wir ihm jedoch klar widersprechen. Aus unserer Unschooling-Erfahrung wissen wir, dass Typ-I-Verhalten angeboren ist. Angeborenes Typ-I Verhalten wird in der frühen Kindheit durch falsche Erziehung und durch die typischen Typ-X Systemen wie Religion, Schule, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft generell abgewürgt. Danach kann es vielleicht wieder mühsam erworben werden.

In der folgenden Animation wird dieses Thema abgehandelt. Viel Vergnügen.

Es ist uns nun schon mehr als einmal passiert, dass uns jemand fast ein wenig vorwurfsvoll gesagt hat, dass es ja sein könnte, dass unsere Kinder eventuell gerne in die Schule möchten, es uns aber nicht zu sagen getrauen würden. Nun, das könnte natürlich sein. Doch wir kennen da unsere Kinder ein bisschen besser und haben vollstes Vertrauen, dass sie uns ihre Bedürfnisse mitteilen, entweder mit oder ohne Worte. Unsere Kinder zeigen uns immer zuverlässig und deutlich den Weg. Und sie wissen auch, dass sie sofort und jederzeit in die Schule dürften, wenn sie das wollten.

Nicht wegen uns, sondern wegen allen Zweiflern, stellten wir also kürzlich unseren Kindern aus heiterem Himmel die folgende Frage:

Eltern: ‘”Wieso wollt ihr eigentlich nicht in die Schule gehen? Ihr wisst doch, dass ihr das dürft?”
Unsere beiden Töchter waren sich einig: Sara (12) und Olivia (9): “Was? Wieso sollten wir in die Schule wollen? Uns gefällt es doch so wie es ist. Ich finde, es ist perfekt. Und zudem erzählen uns die Schulkinder genug Schreckliches von der Schule. Also da möchte ich wirklich nicht hin, oh nein!’”

Eltern: “Es gibt aber auch sicher viel Schönes in der Schule. . . . . . .”
Sara und Olivia: “Von dem erzählen die Schulkinder nur ganz selten. Wir kennen kein einziges Schulkind, das gerne zur Schule geht!”

Eltern zu Nalin: “Und Du Nalin, Du weisst, dass Du zur Schule gehen dürftest, oder?”
Nalin (7): “Stellt nicht so blöde Fragen. Ihr wisst die Antwort selber. Ich will jetzt lieber weiter malen.”

Dies sind schlicht und einfach die Antworten von unseren Kindern zu diesem Thema. Dieser kurze Dialog kann ganz neutral gelesen werden, ohne zu meinen, dass wir damit gegen die Schule wettern wollen.

Gehen die Schulferien der Schulkinder langsam dem Ende entgegen und steht der Schulbeginn wieder vor der Türe, so prasseln auf uns jedes mal die gleichen Fragen nieder. Die Leute wollen wissen, ob für uns nun auch die Ferien zu Ende sind und wann wir mit dem Unterrichten beginnen! Um es gleich vorneweg zu nehmen: Nein, für uns sind die Ferien nicht zu Ende. Das können sie gar nicht, weil sie nie begonnen haben! Das Wort Ferien gebrauchen wir nämlich nur, wenn wir verreisen, also sozusagen als Synonym für Urlaub. Andere Ferien haben und brauchen wir schlicht nicht. Denn sucht man im  Wikipedia nach der Bedeutung von Ferien, dann kann man Folgendes lesen: “Mit Ferien werden Zeiträume bezeichnet, in denen eine Einrichtung vollständig schließt, um ihren Angehörigen andere Tätigkeiten, insbesondere Erholung zu ermöglichen.”  

Benutzt man das Wort Ferien allerdings im Sinne von Nicht-Schule, so könnte man auch sagen, dass wir immer Ferien haben. An dieser Stelle werden wohl bei einigen die Alarmglocken klingeln. Denn unter Ferien verstehen viele Nichtstun, faul herumliegen, sich langweilen, stundenlang vor dem Fernseher hocken, usw.  Nun, sie können sich wieder beruhigt zurücklehnen, denn bei uns sieht es definitiv anders aus.

Aber was tun denn unsere Kinder, wenn all die anderen Kinder in der Schule sind?

Obwohl die Gestaltung unserer Tage einen regelmässigen und immer wiederkehrenden Ablauf hat mit gemeinsamen Mahlzeiten, Projekten und Ritualen, so verläuft doch kein Tag wie der andere. Deshalb werden wir untenstehend in groben Zügen drei nacheinander erlebte Tage beschreiben, welche sich in der vergangenen Woche ereigneten und einen kleinen Einblick in unseren Alltag gewähren.

Der Tag beginnt jeweils ganz friedlich und gemächlich. Es ist bei uns üblich, dass die Kinder ausschlafen. Das sind sie sich seit ihrer Geburt gewöhnt und kennen es kaum anders. Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen – welche wir sogar an einer Hand abzählen können – an denen wir unsere Kinder frühmorgens oder in der Nacht, z.B. wegen Verreisens in den Urlaub oder sonst einem wichtigen Vorhaben wecken mussten. Aber keine Sorge, unsere Kinder fänden es furchtbar, wenn sie bis zum Mittag schlafen müssten, dafür sind die Tage viel zu spannend. Also, wenn sie ausgeschlafen sind, und das ist zur Zeit plus minus 7 Uhr, stehen sie eines nach dem anderen in ihrem eigenen Rhythmus auf und gehen dann, wenn sie vollständig wach sind, ihren individuellen Tätigkeiten nach. Dabei interessiert sie die Uhrzeit und der Wochentag nicht und ein Sonntag unterscheidet sich bei uns oftmals nicht von einem Montag.

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Am Tag Eins z.B. verbrachten unsere beiden Töchter die meisten Stunden des Tages mit Briefeschreiben. Das hat bereits nach dem Aufstehen begonnen, als sie sich noch vor dem gemeinsamen Frühstück an die Arbeit machten. Sara hat drei Briefe auf Deutsch, einen auf Englisch und zudem eine sehr lange Mail auf Deutsch und eine etwas kürzere auf Englisch geschrieben. Ausserdem bekam sie einen Brief in spanischer Sprache und den haben wir zusammen entschlüsselt. Olivia hat zwei Briefe auf Deutsch und einen auf Französisch geschrieben. Zwischendurch kamen beide in den Genuss, für je 3/4 Stunden im Nachbarsort musizieren zu gehen. Während unsere beiden Töchter also sehr viel Zeit ins Briefeschreiben investierten, so verbrachte unser Sohn Nalin einige Zeit bei einem Nachbarsbauern und durfte bei den Arbeiten im Stall und bei den Kühen mithelfen. Hier klingelt wieder die Alarmglocke, denn im Stall lernt man ja nichts. Oder doch?

Wir meinen DOCH, denn indem Nalin auf ganz natürliche Art und Weise ins Arbeitsfeld ‘Pflanzen, Tiere, Lebensräume’  eintauchen darf, geschieht der Lerneffekt zwar unscheinbar, aber trotzdem beachtlich: Heute wurden einmal mehr Kühe gezählt und es wurde ausgerechnet, wie viele Kühe nun mehr sind als das letzte Mal. Es wurde ausgerechnet, wie alt alle Familienmitglieder sowie die Bäuerin und unsere Freunde waren, als der Bäuerin vor 15 Jahren die Kühe abgehauen sind. Es wurde geputzt und gemistet und mit der Bauernfrau spannende Diskussionen rund um das Bauernleben und all die vielen Maschinen auf dem Bauernhof, wie z.B. der Traktor, geführt. Zudem bildete sich Nalin auch bei uns Zuhause anhand Bilderbücher, Geschichten und Sachbücher intensiv zum Thema Bauern weiter und es wurden Kühe gemalt, Heuballen für den Traktoranhänger gebastelt, Ställe gebaut, Bauerngeschichten gelesen, usw. Nebst seinen Bauernarbeiten hat er am Tag Eins gemeinsam mit Olivia unsere Haustüre beschriftet. Schliesslich löste bei Nalin der Begriff  ‘3/4 Stunde’ die Frage aus, was denn das genau ist. Wir zeichneten sogleich zusammen mehrere runde Kreise, teilten diese Kuchen in viele Teile und tauchten somit in die Welt der Brüche ein, was ihm sichtlich Spass bereitete. Während Olivia und Nalin später noch einige Zeit draussen mit Nachbarskindern am Spielen waren, verschaffte sich unsere älteste Tochter etwas Abwechslung nach den vielen Briefen mit einer Grafikarbeit am PC, wobei sie aus mehreren Fotos ein einziges Foto daraus machte. Das war gar nicht so einfach für sie als Laie und ohne spezielles Grafikprogramm. Dies führte zu mehreren kniffligen Situationen, in denen logisches Denken gefragt war und immer wieder eine andere Lösung gesucht werden musste, bis es letztlich funktionierte. Gegen den Abend durfte Olivia noch in ein ‘Kreatives Kindertanzen’ gehen und nach dem gemeinsamen Nachtessen versanken alle drei Kinder ins Thema Griechisch und machten Wortschatztraining, da der Mama noch ein Telefonat in griechischer Sprache bevorstand. Als Abschluss bis zum gemeinsamen Abendritual widmeten sie sich alle drei einem Rollenspiel.

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Tag Zwei: Das Rollenspiel von Tag Eins wurde frühmorgens fortgesetzt und etwas später bei Sara und Olivia mit erneutem Briefeschreiben abgelöst. Sara unterbrach die Arbeit des Briefeschreibens an diesem Morgen bloss für ein einziges mal, als sie für Kaffeküchlein einen Teig zubereitete. Unterdessen baute Nalin für das Rollenspiel noch einige Details und liess sich anschliessend eine Geschichte vorlesen. Ausnahmsweise allerdings nicht lange, denn inzwischen war es draussen in unserem Garten lebendig geworden: Der Sand von unserem Sandhaufen wurde von drei Leuten abgeholt und zu einer Freundesfamilie gebracht. Nalin war im Glück, dass er mithelfen durfte. Während der Pause der Arbeiter liess sich Nalin drinnen blicken und übernahm sogleich das Füllen der Cupcakeförmchen mit dem Kuchenteig. Olivia hatte sich unterdessen an eine Werkarbeit gemacht, woraus eine Blume entstehen soll. Die Zeit verging und während Sara noch ganz versunken ins Briefeschreiben war, halfen mir später Olivia und Nalin bei der Zubereitung des Mittagessens: beim Gemüserüsten und anschliessendem Verwandeln in Herzen und Blumen, beim Würzen der Speisen, beim Kellenrühren in der Pfanne und natürlich beim Probieren! Durchschnittlich kochen oder backen die Kinder etwa einmal pro Woche selbständig ein Gericht oder ein Dessert, welches sie im Voraus in einem Kochbuch ausgesucht und dafür gesorgt haben, dass alle Zutaten im Hause sind. Der Nachmittag und auch der Abend war geprägt von lesen, zeichnen und malen, Werkarbeit der Blume fortführen, Gartenarbeit, Briefeschreiben, Flöte und Klavier spielen.

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Tag Drei: Der Morgen begann für Sara nach dem Aufstehen (7 Uhr) gleich wieder mit einem englischen Brief und bei dieser Arbeit blieb sie mit Ausnahme des Frühstücks und zwischendurch kurze Neugier bei den Experimenten von Nalin – fast ununterbrochen bis zum Mittagessen! Olivia schrieb noch ihren letzten Brief auf französisch und klebte nachher mit Zahlen die 7-er Reihe  vom Einmaleins an eine Wand. Anschliessend leistete sie Nalin Gesellschaft, welcher sich heute dem Experimentieren verschrieben hatte. In unserem Alchemistenlabor experimentierte er diverse Dinge und inspiriert anhand eines Buches machte er die ‘Geisterhand’, und danach wollte er noch Draussen das Raketenexperiment durchführen. Dieses Experiment nahm wiederum einige Zeit in Anspruch und wollte auch erst nach mehreren Versuchen gelingen. Schliesslich gingen Olivia und Nalin zum nahegelegenen Briefkasten die fertig geschriebenen Briefe einwerfen und spielten noch etwas draussen. Als sie hereinkamen, widmeten sich beide einem Buch und lasen eine Weile darin, bis sie mir wieder beim Zubereiten des Mittagessens halfen.

Wäre die Reitlehrerin nicht krank gewesen, so hätten an diesem Nachmittag Olivia und Sara einige Stunden zusammen in einer Gruppe mit anderen Kindern bei den Pferden verbracht. Stattdessen machten wir uns wegen des nebligen Wetters auf einen ausgedehnten Spaziergang mit dem Ziel die Sonne zu finden, was uns auch gelungen ist. In der verbleibenden Zeit bis zum Nachtessen durfte ich allen Dreien eine Geschichte vorlesen, es wurden noch Rollenspiele gemacht, an der Blume weiter gebastelt und mit dem gemeinsamen Abendritual wurde auch dieser erfüllte Tag abgeschlossen.

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Natürlich ist diese Auflistung nicht komplett und es gäbe noch so viele kleine und oftmals auch bedeutende Tätigkeiten, welche wir zusätzlich auflisten könnten. Es ist auch klar, dass diese Tage einmalig in ihrer Art und Weise waren und auch jeder neu kommende Tag wiederum einmalig und völlig anders als die beschriebenen Tage sein wird. Vielleicht ist aufgefallen, dass unsere beiden Töchter zum Teil recht viel Zeit ins Briefeschreiben investiert haben. Sie zählen die Stunden nicht und sie schreiben keine Briefe, weil sie Briefe schreiben müssen. Sie tun es, weil sie es tun wollen und es ein authentisches Bedürfnis ist dies zu tun. Nähmen wir alle diese Stunden von diesen drei Tagen zusammen, so wäre bestimmt das Monatspensum an Deutsch-, Englisch- und Französisch-Lektionen mehr als erfüllt. Und wenn sie sich nun fragen, ob denn nicht die Mathematik etwas zu kurz kommt, dann möchten wir beiläufig erwähnen, dass es sich nicht lohnt, sich darüber Sorgen zu machen. Aus unserer langjährigen Unschooling-Praxis wissen wir, dass auch die Mathematik zum richtigen Zeitpunkt stattfindet, wie wir das hier und hier und hier schon einmal beschrieben haben. Wir erleben auch, dass unsere Kinder ein Thema meistens während einer längeren Phase behandeln und somit in aller Tiefe erleben und erfahren. Welches Thema morgen dominiert, wissen wir heute noch nicht.

So findet Lernen bei uns statt, jeden Tag neu. Ohne Stundenplan, ohne vorgeschriebene Pausen, ohne Hausaufgaben, ohne Prüfungen. . . . . . . ohne Schule und ohne Ferien. Dafür mit viel Begeisterung, grossem Engagement und selbstverständlich selbstbestimmt.

Momentan werden in der eher konservativen Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) unter der Rubrik Bildung fast im tagestakt positive Artikel über Homeschooling  publiziert.

Wir nehmen dies selbstverständlich positiv zur Kenntnis, obwohl wir einen komplett anderen Ansatz praktizieren, nämlich Unschooling.

Même si nous sommes été invités à plusieurs reprises à des événements et des rencontres Unschooling nous avons évité un long moment encore. Mais maintenant, le temps est venu où nos enfants sont plus vieux maintenant et nous pouvons voyager en famille sans stress et détendu dans ces manifestations de plusieurs jours et même plus: nous pouvons en profiter! Donc nous sommes voyagés récemment à notre premier pas auto-organisé rencontre Unschooling en France dans un endroit magnifique entouré par la nature.Il y en avait en plus beaucoup des belles expériences pour approfondir notre connaissance de la langue française. Nos enfants étaient accueillis chaleureusement déjà à notre arrivée par un groupe d’enfants et ils sont été immédiatement invité à jouer. Volontiers nos deux filles ont donné suite de cette invitation et elles sont été intégrées dès le début. Que tous les autres enfants ne savaient pas parler l’ allemand avec eux tout au cours de ces journées, ils ont toujours communiqués en français, et Sara et Olivia n’ont pas pris la peine. Au contraire. C’est une des raisons  entre autres que nous avons décidé d’aller à un rencontre en France. Bien que leur français n’est pas (encore)  parfait, elles ont pu facilement divertir et parler en français. Elles ont aimé beaucoup et même au cours de ces quatre jours elles ont fait amitié avec des filles avec qu’elles veulent communiquer par émail ou par lettres, et ce qu’elles veulent rencontrer bientot encore une fois!

La réunion était peu structuré et avait beaucoup d’espace pour des propres idées. Les enfants se sont organisés tout seule et c’était toujours agréable de voir comment de petits groupes ont émergé. Nous sommes habitués d’être avec d’autres Unschooler, alors voici la même chose a été observée: Les groupes ne sont pas venus à l’âge orientée, mais l’intérêt a axée sur grand et petit. Un des grands moments pour les enfants a été déterminé la chasse au trésor, dont chaque enfant a apporté un cadeau fait maison. Ces cadeaux sont été cachés et trouvée par les enfants de se promener dans les bois.

Sinon les enfants ont fait des bracelet d’amitié et ont joué des jeux aux cartes et des jeux aux cache à l’intérieur et  à l’extérieur, le jeu préféré des enfants a été ‘poule-renard-vipère’. Et les adultes? Quelques fois ils ont joué avec les enfants ou ils ont fait des conversations intéressantes et bien sûr ils ont cuit!

C’était agréable d’avoir la possibilité d’ être pour quelques jours avec un groupe de Unschooler ensemble. La majorité des familles pratiqué depuis la naissance de son premier enfant Unschooling et  étaient profondément convaincus de leur chemin. Mais, comme en Suisse c’est  la même chose ici en France: Unschooling n’est pas égal Unschooling. Chaque famille vit sa Unschooling dans leur propre manière: Certaines ont un environnement riche, certaines sont un peut structuré, certainies n’ont pas un environnement riche  et ne sont pas structure, etc.- et c’était très captivant et enrichissan d’êtreinformé comme  les autres familles pratiquent individuelles leur Unschooling.

Nous sommes donc retournés de cette réunion très agréable avec beaucoup de souvenirs heureux et connaissances et nous nous réjouissons lorsque nous allons revoir quelques familles française bientôt!

Nous vous remercions detoutcœur, Isabelle et Thierry, Antoinette et Cécile, pour votre organisation et de faire de bon travail. A bientôt!

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Obwohl wir schon des Öfteren zu verlockenden Anlässen und Treffen rund um Un-und Homeschooling eingeladen worden waren, haben wir lange Zeit immer abgewehrt. Jetzt aber ist die Zeit gekommen, wo unsere Kinder älter geworden sind und wir als Familie stressfrei und ganz entspannt an solche mehrtägigen Veranstaltungen verreisen können und sogar noch mehr: wir können es richtig geniessen! So sind wir vor kurzer Zeit an unser erstes nicht selbst organisiertes Unschooling-Treffen nach Frankreich an einen schönen Ort inmitten der Natur gereist und haben dort nebst vielen schönen Erfahrungen auch unsere Französisch-Kenntnisse vertiefen können. Unsere Kinder wurden bereits bei unserer Ankunft von einer Gruppe Kinder herzlich begrüsst und sogleich zum Spielen eingeladen. Gerne folgten unsere beiden Töchter dieser Einladung und waren somit von Anfang an integriert. Dass all die anderen Kinder kein Deutsch konnten und mit ihnen während all dieser Tage stets auf französisch kommunizierten, störte sie überhaupt nicht. Im Gegenteil. Das war ja unter anderem auch ein Grund, dass wir uns für ein Treffen in Frankreich entschieden hatten. Obwohl ihr Französisch (noch) nicht perfekt ist, konnten sie sich problemlos in der fremden Sprache unterhalten und austauschen. Sie genossen es sogar und während diesen vier Tagen hatten sie sich auch mit einigen Mädchen angefreundet, mit denen sie sich in Zukunft schriftlich via Mail oder Briefe austauschen wollen und welche sie sicher wieder treffen wollen!

Das Treffen war wenig strukturiert und liess viel Freiraum für eigene Ideen. Die Kinder organisierten sich untereinander und es war immer wieder schön zu beobachten, wie kleine Grüppchen entstanden. Wie wir es uns von anderem Zusammensein mit Unschoolern gewohnt sind, so war auch hier das Gleiche zu beobachten: Die Gruppen entstanden nicht etwa altersorientiert, sondern interessenorientiert und gross und klein gesellte sich bei Bedürfnis dazu. Ein Highlight für die Kinder war bestimmt die Schatzsuche, für welche jedes Kind ein selbst gebasteltes Geschenk mitbrachte. Diese Geschenke wurden versteckt und konnten anhand eines Postenlaufs durch den Wald gefunden werden. Ansonsten wurden Freundschaftsbändchen geknüpft, Kartenspiele gemacht, Verstecken gespielt oder draussen das Lieblingsspiel der Unschooling Kinder ‘poule-renard-vipère’ gespielt. Und die Erwachsenen? Die spielten entweder mit oder vertieften sich in spannenden Gesprächen untereinander oder bereiteten gemeinsam die Mahlzeiten zu.

Es war schön, für einige Tage mit einer Gruppe von Unschoolern zusammen zu sein. Die Mehrheit der Familien praktizierten bereits seit der Geburt ihres ersten Kindes Unschooling und waren tief von ihrem Weg überzeugt. Doch wie auch in der Schweiz so ist auch in Frankreich Unschooling nicht gleich Unschooling. Jede Familie lebt ihr Unschooling auf ihre ganz individuelle Art und Weise – die einen überhaupt nicht strukturiert und ohne anregende Lernumgebung, die anderen mehr oder weniger strukturiert mit reicher Lernumgebung – und es war sehr spannend und bereichernd zu erfahren, wie das in den einzelnen Familien aussieht.

So kehrten wir nach diesem sehr schönen Treffen mit vielen neuen Eindrücken und Bekanntschaften wieder nach Hause und freuen uns, wenn wir einige von den Französischen Familien bald wieder einmal sehen werden!

Meistens ist es ja so, dass die Kinder etwas fragen und daraus entstehen viele neue Themen. Die Aufgabe von uns Eltern ist es dann, Infos und Material zur Verfügung zu stellen, so dass Lernen zu dem gewünschten Thema stattfinden kann.

Und da Pilze vor allem im Herbst immer wieder ein Thema sind, fanden eine Freundesfamilie und wir, dass wir gerne einmal mit einem echten Pilzkenner im Wald unterwegs wären.

Deshalb liessen wir uns bereits im Voraus Pilzbücher in der Bibliothek reservieren und wir stellten sie an einen Platz an zentraler Lage im Haus. Einfach so als Angebot und Inspiration. Und immer wieder waren die Kinder versunken in ein Pilzbuch und studierten die verschiedensten Pilze. Daraus entstanden ist auch ein Plakat mit einigen bekannten und essbaren Pilzen sowie ein Pocket-Büchlein zum Mitnehmen in den Wald. Besonders spannend fanden sie die Giftpilze und auch die Tatsache, dass man viele davon zwar essen kann, aber mit Nebenwirkungen zu rechnen hat. Allerdings lernten sie auch die wirklich gefährlichen Giftpilze kennen und hatten davor grossen Respekt.

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Im Sinne eines ‘Bildung Pur’ Anlasses trafen sich nun also am vergangenen Donnerstag neun Unschooling Familien auf dem Hohen Hirschberg bei Appenzell, wo uns der passionierte und begeisterte Pilzsammler Walter Neff erwartete. Wir hatten die Möglichkeit mit ihm durch den Wald zu streifen, und er stand uns geduldig und kompetent für alle Fragen rund um die Pilze zur Verfügung. Obwohl uns gleich zu Beginn unserer Wanderung zwei Wanderer mit einem prallvollen Korb voller Steinpilze entgegen kamen und uns eher entmutigten, schafften es bis zum Schluss doch alle Familien mindestens einige essbare Pilze in ihren mitgebrachten Körben zu haben, auch wenn sich darunter nur einige wenige Steinpilze befanden. Dafür durften wir viele unterschiedliche Pilzexemplare bewundern und bekamen eine leise Ahnung von der weiten Welt der Pilze. Unsere Kinder fanden gar mehrere gefährlich giftige Pantherpilze, erkannten diese aber gleich!

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Es war sowohl ein wunderschöner als auch ein lernreicher Tag.