Aufgrund eines Artikels über den Verlust des Mitgefühls von Jan Moewes (siehe Link) bin ich endlich auf Arno Gruen gestossen. Sofort habe ich drei Bücher gekauft und auch gleich verschlungen. Nebst den erschütternden Erkenntnissen beschäftigt mich etwas ganz speziell:

Warum werden in der ganzen alternativ-pädagogischen Diskussion die kritischen Psychoanalytiker systematisch ausgeblendet?

Vor vielen Jahren war mir dies schon einmal aufgefallen, als ich die Schriften von Ekkehard von Braunmühl studiert habe. Auch er wurde von den vielen Autoren, welche über alternatives Lernen, Leben, Erziehung und im weitesten Sinne über Pädagogik geschrieben haben, gänzlich ignoriert.

Heute ist es mir definitiv bewusst: die Psychoanalytiker hätten uns über Lernen und Erziehung und über unsere persönlichen und kollektiven Schätten sehr viel mehr zu sagen.

 

Am 26. März 2011 fand in Teufenthal Kt. AG die Mitgliederversammlung des Vereins ‘Bildung zu Hause’ statt. Wir wurden zu diesem Anlass eingeladen, einen Vortrag zum Thema Unschooling zu halten mit einer anschliessenden Diskussionsrunde.

Seit dem Januar steckten wir intensiv in den Vorbereitungen für diesen Anlass. Eine Stunde lang über Unschooling zu reden ist eigentlich kein Problem. Im Gegenteil: Es gäbe so viel darüber zu reden, dass wir ohne Probleme einen ganzen Tag damit füllen könnten! Die grösste Herausforderung für uns war aber, das Wesentliche und Wichtigste aus der ganzen Fülle herauszufiltern und in Form einer Präsentation mit Modellen und vielen Bildern aus unserem Alltag so  aufzubereiten, dass alle Zuhörenden während dieser Vortragsstunde ein möglichst ganzheitliches Bild von Unschooling bekommen.

Obwohl wir hier ehrlicherweise gestehen müssen, dass es unmöglich ist, ein ganzheitliches Bild von Unschooling präsentieren zu können. Denn es gibt ganz verschiedene Arten, Unschooling zu praktizieren und es gibt auch bereits sehr viele Namen dafür.  Hinzu kommt, dass innerhalb dieser Unschooling-Variationen nochmals jede Familie in ihrem ganz eigenen Stil praktiziert! Keine Familie ist gleich wie die andere und jede Familie geht ihren ganz eigenen Weg! Und trotzdem sind sich die Unschooler in mindestens einem Punkt gleich: Sie alle funktionieren mit ihren Kindern nach dem Prinzip ‘von Innen nach Aussen’!

Unschooling - Vortrag

So liessen wir allen Teilnehmenden einige Einblicke in unseren ganz persönlichen Unschooling-Weg gewähren und haben bei unserer Präsentation zuerst die Philosophie und Werte von uns dargelegt, danach positionierten wir Unschooling und anschliessend präsentierten wir Praxisbeispiele aus unserem Alltag mit unseren Kindern! Insgesamt waren über 100 Teilnehmende (Erwachsene und Kinder) an diesem Anlass. Für unsere Kinder war das eine ganz neue Erfahrung, Mama und Papa vorne vor dem Publikum sprechen zu hören! Unsere älteste Tochter trug zu Beginn und zu Ende des Vortrags ein Gedicht von unserem Hausphilosophen Jean Gebser vor, welches sie aus Eigeninitiative auswendig gelernt hatte und vortragen wollte. 

Spannend für uns waren die Feedbacks, welche wir vor allem während der gemeinsam Mittagszeit bekamen. Hier einige Eindrücke: Unschooling – Mutter: “Sehr erfrischend. Es hat gut getan, das zu hören, denn sonst fühle ich mich immer so alleine!” Homeschooling-Mutter: “Wir sind Homeschooler und unsere Kinder sind nun schon fast aus dem Schulalter raus. Aber nachdem ich nun weiss, was Unschooling ist, dann würde ich auch einige Unschooling – Elemente mit einbeziehen!” Junge Unschooling – Mutter: “Das hat mir so richtig Mut gemacht, dass ich das auch kann!” Unschooling – Mutter: “Danke für die vielen Inspirationen. Ich gehe nun nach Hause und beginne gleich damit, einige Ideen umzusetzen!” Vorher zweifelnder Vater: “Nach diesem Vortrag sehe ich Unschooling in einem ganz anderen Licht. Ihr habt mir aufgezeigt, dass eure Kinder ja eigentlich dauernd am Lernen sind. Es ist mir bewusst geworden – und das erschreckt mich auch -  dass ich als Vater viel zu wenig Vertrauen in die Kompetenz meiner Kinder habe! ” Vater von Schulkindern: “Ihr seid total authentisch und klar, das hat mir so gut gefallen und ermutigt mich diesen Schritt zu gehen, sobald unsere Kinder mit der Schule unglücklich werden.” Homeschooling – Vater: “Einige Fragen und Reibungspunkte hab ich schon noch, da würd ich gerne mal darüber diskutieren!” Unschooling – Vater und selbst nie in der Schule: “Echt toll! Ihr habt mir aus dem Herzen gesprochen!” Homeschooling – Vater: “Wir machen das ganz ähnlich wie ihr!”

Uns und auch unseren Kindern hat dieser Vortrag Spass gemacht und wir freuen uns, dass bei dem einen und anderen Teilnehmer etwas rüber gekommen ist!

Am 26. März 2011 findet in Teufenthal AG die Mitgliederversammlung des Vereins Bildung zu Hause statt. Wir wurden zu diesem Anlass eingeladen, einen Vortrag zum Thema Unschooling zu halten.

Wir werden allen Teilnehmenden einige Einblicke in unseren ganz persönlichen Unschooling-Weg mit Praxisbeispielen aus unserem Alltag gewähren.

Wir freuen uns auf diesen Anlass! Wer sich noch anmelden möchte, kann dies HIER tun!

Wir kennen alle viele Begriffe von Lernen, wie informelles Lernen, kognitives Lernen, natürliches Lernen und viele andere mehr. Integrales Lernen ist jedoch noch nicht so verbreitet, wie es eigentlich sein sollte. Gerne möchte ich hiermit dem Begriff des integralen Lernens mehr Bekanntheit verschaffen. Vielleicht gibt es dem einen oder anderen nach dem Lesen ein grosses AHA.

Um dem Integralen Lernen den notwendigen wissenschaftlichen Hintergrund zu verleihen, will ich zuerst Transparenz in meine Quellen erstellen. 

Integral bedeutet einschliessend, ausgewogen, umfassend. Der Integrale Ansatz bildet, im Gegensatz zu anderen Methoden, welche die Inhalte der jeweils anderen Ansätze häufig ausschliessen, ein integrierendes Rahmenwerk, in welches Erkenntnisse aus verschiedensten Wissensgebieten eingebunden sind. Die Grundlagen und das wissenschaftliche Rahmenwerk für den integralen Ansatz bildet die Integrale Philosophie, welche in den letzten zwei Jahrzehnten vom amerikanischen Philosophen und Autor Ken Wilber kartographiert, ausgeweitet und weiter entwickelt wurde. Ken Wilber basiert in seinem Werk auf der Arbeit von unzähligen Wissenschaftlern, die er in seine Landkarte von AQAL (All Quadrants – All Levels) integriert hat, mit dem Ziel die Philosophia perennis zu erstellen. Philosophia perennis im Sinne von derjenigen Grundwahrheiten, die bei allen Völkern zu allen Zeiten vorhanden sein und zusammen die eine Wissenschaft aus dem einen Prinzip ausmachen sollen. Ken Wilber wird nicht einfach so der Einstein der Bewusstseinsforschung genannt. Dass Ken Wilber unter anderem auf den Grundlagen meines persönlichen Hausphilosophen Jean Gebser basiert, freut mich seit jeher.

Ein wichtiger Baustein von AQAL sind das Konzept biopsychosozialer Systeme von Clare W. Graves und deren Weiterentwicklung unter dem Namen Spiral Dynamics von Don E. Beck und Christopher C. Cowan. Auf der Basis so genannter Werte-Meme, die Lebensstile, Glaubensmuster und Einstellungen hervorbringen, entwickelten die Autoren Beck/Cowan eine Methode, mit der sie soziale Systeme, Individuen und wirtschaftliche Entwicklungen analysieren, bewerten und transformieren lassen. Leider kann ich hier nicht die ganze Theorie von Spiral Dynamics abbilden, möchte hier aber trotzdem die Essenzen beschreiben.

Spiral Dynamics beschreibt Werte-Meme, welche in einem spiralen Stufenmodell Ebenen zeigen, die jeweils mit einer Farbe klassifiziert werden (vertikal von unten nach oben von Beige zu Purpur zu Rot zu Blau zu Orange zu Grün zu Gelb zu Türkis zu …).

Von Beige zu Türkis meint von weniger komplexen zu komplexeren Umgebungen oder vom Überleben im Busch zum Surfen über das Internet hinaus oder von einem kleinen flecken Land zum globalen Dorf und Cyberspace.

Die ersten sechs Ebenen von Beige bis Grün zählen zum primären Bewusstsein (Erste Ordnung). Die Ebenen ab Stufe Gelb zählen zum sekundären Bewusstsein (Zweite Ordnung). Den Ebenen des primären Bewusstseins ist eigen, dass eine neu erreichte Ebene die vorgängie Ebene bekämpft und abstösst, z.B. Orange (Mentales) stösst Blau (Mythen) ab. Ab dem sekundären Bewusstsein versuchen die jeweiligen Werte-Meme alle vorgängigen Ebenen der Spirale zu würdigen und die gesunden Elemente zu einer Ganzheit zu integrieren. Keine Ebene ist besser als die andere. Die unteren Ebenen sind das Fundament für die höheren Ebenen. Die höheren Ebenen sind komplexer und weiter entwickelt als die unteren Ebenen. Ken Wilber spricht bereits von Koralle als neuem Werte-Mem und von tertiärem Bewusstsein (Dritte Ordnung). Soweit gehen wir hier aber nicht.

Datei:Spirale der Entwicklung.jpg

Das gelbe Werte-Mem ist gemäss Spiral Dynamics erst seit ca. 1950 sichtbar. Nicht nur das eigene Leben soll gefördert werden. Gute Regierung erleichtert das Aufsteigen von Einheiten auf allen Ebenen zunehmender Komplexität. Nach Schätzungen gehören am Beginn des 21. Jh. ca. 1 Prozent der Weltbevölkerung und ca. 5 Prozent der Machtstrukturen dieser Ebene an.

Wenn wir nun das Lernen entlang der dynamischen Spirale auf den jeweiligen Ebenen anschauen, bekommen wir die Fähigkeit, den eigenen eingeschlagenen Weg zuzuordnen.

Beiges, überlebensorientiertes Lernen, ist instinktiv und wird erreicht, indem man die Intensität der Sinnesreizung variiert.

Purpurnes Lernen wird klassischerweise durch Vorbilder, Wiederholung, Rhythmus und das Erzählen von Geschichten stimuliert.

Rotes Lernen wird konditioniert durch Aktivitäten, bei denen jeder mit anpacken muss und die von unmittelbarer, von aussen kommender Verstärkung begleitet werden.

Das bekannte Blaue Bücherlernen, das auch eine Vermeidungsstrategie ist, orientiert sich mehr an Inhalt und Fakten als an Prozessen und Ideen und wird durch standardisierte Tests, Gehorsam und die Bestrafung von Fehlern bestärkt.

Oranges Erwartungslernen wird auf das reale Leben, “trial and error”-Experimente, Wettbewerbsspiele, Fallstudien und Simulationen ausgerichtet.

Grünes beobachtendes Lernen wird durch Reflexion, Interaktion, Beteiligung und die Beachtung von Gefühlen im Unterschied zu trockenen Inhalten und harten Fakten oder freudig erwartenden Belohnungen stimuliert.

Wenn wir zum sekundären Bewusstsein (Zweite Ordnung) übergehen, finden wir, dass das Gelbe informelle Lernen sich nach dem Rhythmus, den Bedürfnissen und Interessen des jeweiligen Individuums richtet. Belohnungen sind eher intrinsisch als extrinsisch, und Lernen auf der Grundlage eigenen Entdeckens und Erkennens wird wichtiger als programmiertes, schriftliches Wissen.

Türkises experimentierendes Lernen findet in gemeinschaftlichen – sowohl sozialen als auch elektronischen – Netzwerken statt und ist von einem tief empfundenen Teilen von Bewusstsein und Einsichten geprägt.

Und nun komme ich endlich zur Essenz, was wir unter Integralem Lernen verstehen:

Beim Integralen Lernen geht es uns darum, für die Kinder eine Lernumgebung zu schaffen, die zu einer grossen Bandbreite von Lernstilen (alle Ebenen) passt und nicht nur unseren eigenen Vorlieben entspricht. Aus dem Geist des sekundären Bewusstseins heraus, stellen wir unseren Kindern eine optimale Lernumgebung zur Verfügung, welche sie dem Gelben Werte-Mem entsprechend zu eigen machen dürfen.

Und? Es funktioniert!

Den materiellen Inhalt dieses Aufsatzes habe ich grösstenteils aus dem Buch ‘Spiral Dynamics – Leadership, Werte und Wandel’ von Don E. Beck und Christopher C. Cowan, das sich zu lesen lohnt. Es hat nichts mit Kindern zu tun, sondern ist glasklare Philosophie.

Die untenstehende Geschichte und die treffende Analyse hat uns amüsiert.

Warum Sie Nachrichtensprecher nicht ernst nehmen sollten

Nachdem er 1918 den Physik-Nobelpreis erhalten hatte, ging Max Planck auf Tournee durch ganz Deutschland. Wo auch immer er eingeladen wurde, hielt er denselben Vortrag zur neuen Quantenmechanik. Mit der Zeit kannte sein Chauffeur den Vortrag auswendig. «Es muss Ihnen langweilig sein, Herr Professor Planck, immer denselben Vortrag zu halten.», sagte er eines Tages. «Ich schlage vor, dass ich das in München für Sie übernehme, und Sie sitzen in der vordersten Reihe und tragen meine Chauffeur-Mütze. Das gäbe uns beiden ein bisschen Abwechslung.». Planck war amüsiert und einverstanden, und so hielt der Chauffeur vor einem hochkarätigen Publikum den langen Vortrag zur Quantenmechanik. Nach einer Weile meldete sich ein Physikprofessor mit einer Frage. Der Chauffeur antwortete: «Nie hätte ich gedacht, dass in einer so fortschrittlichen Stadt wie München eine so einfache Frage gestellt würde. Ich werde meinen Chauffeur bitten, die Frage zu beantworten.»

Nach Charlie Munger, einem der weltbesten Investoren, von dem ich die Planck-Geschichte habe, gibt es zwei Arten von Wissen :

Zum einen das echte Wissen. Es ist das Wissen, das Menschen mit einem grossen Einsatz von Zeit und Denkarbeit bezahlt haben.

Zum anderen eben das Chauffeur-Wissen. Die Chauffeure im Sinne von Mungers Geschichte sind Leute, die so tun, als ob sie etwas wissen würden. Sie haben gelernt, eine Show abzuziehen. Sie besitzen vielleicht eine tolle Stimme oder sehen überzeugend aus. Doch das Wissen, das sie verbreiten, ist hohl. Eloquent verschleudern sie Worthülsen. Leider wird es immer schwieriger, das echte Wissen vom Chauffeur-Wissen zu trennen. Bei den Nachrichtensprechern ist es noch einfach. Das sind Schauspieler. Punkt. Jeder weiss es. Und doch überrascht es immer wieder, welchen Respekt man diesen Meistern der Floskeln zollt. Sie werden für viel Geld eingeladen, Panels und Podien zu moderieren, deren Themen sie kaum gewachsen sind.

Bei den Journalisten ist es schon schwieriger. Hier gibt es einige, die sich solides Wissen angeeignet haben. Oft sind es die älteren Semester, Journalisten, die sich über Jahre auf einen klar umrissenen Themenkranz spezialisiert haben. Sie sind ernsthaft bemüht, die Komplexität eines Sachverhalts zu verstehen und abzubilden. Sie schreiben tendenziell lange Artikel, die eine Vielzahl von Fällen und Ausnahmen beleuchten. Die Mehrheit der Journalisten fällt leider in die Chauffeur-Kategorie. In kürzester Zeit zaubern sie Artikel zu jedem beliebigen Thema aus dem Hut, oder besser: aus dem Internet. Ihre Texte sind einseitig, kurz und – oft als Kompensation für ihr Chauffeur-Wissen – ironisch.

Je grösser ein Unternehmen ist, desto mehr erwartet man vom CEO Showqualitäten – sogenannte kommunikative Kompetenz. Ein stiller, verstockter, aber seriöser Schaffer, das geht nicht, zumindest nicht an der Spitze. Die Aktionäre und Wirtschaftsjournalisten glauben offenbar, dass ein Showman für bessere Resultate sorgt – was natürlich nicht der Fall ist.

Warren Buffett – Charlie Mungers Partner – verwendet einen wunderbaren Begriff: «Circle of Competence», zu Deutsch «Kompetenzkreis». Was innerhalb des Kreises liegt, versteht man wie ein Profi. Was ausserhalb liegt, versteht man nicht oder nur zum Teil. Buffetts Lebensmotto lautet: «Kenne deinen Kompetenzkreis, und bleibe darin. Es ist nicht so furchtbar wichtig, wie gross dieser Kreis ist. Aber es ist furchtbar wichtig zu wissen, wo genau die Kreislinie verläuft.» Charlie Munger doppelt nach: «Sie müssen herausfinden, wo Ihre Talente liegen. Falls Sie Ihr Glück ausserhalb Ihres Kompetenzkreises versuchen, werden Sie eine lausige Karriere haben. Ich kann es Ihnen fast garantieren.»

Misstrauen Sie dem Chauffeur-Wissen. Verwechseln Sie den Firmensprecher, den Showman, den Nachrichtensprecher, den Worthülsenbastler, den Klischeekolporteur, den Coiffeur, den Schaumschläger nicht mit einem wirklich Wissenden. Wie erkennen Sie den? Es gibt ein klares Signal. Wirklich Wissende wissen, was sie wissen – und was nicht. Befindet sich jemand dieses Kalibers ausserhalb seines «Kompetenzkreises», sagt er entweder gar nichts oder: «Das weiss ich nicht.». Er sagt diesen Satz ohne Pein, ja sogar mit einem gewissen Stolz. Von Chauffeuren hört man alles andere, nur diesen Satz nicht.

Für einen Morgen lang trafen sich 16 Erwachsene und einige Kleinkinder zu unserem ersten Unschooling-Dialog im Ferien- und Tagungshotel Idyll in Gais. Und wie es der Name des Anlasses auch bereits verrät, erlebten wir einen spannenden und intensiven Morgen rund ums Thema Unschooling. Der Unschooling-Dialog ist eigentlich nicht aus unserem eigenen Bedürfnis heraus entstanden, sondern vielmehr aus einem Bedürfnis der vielen interessierten Väter und Mütter, die von Anfang an den Bildungsweg ihrer Kinder bewusst eigenverantwortlich gestalten wollen. Da die Anzahl der Anfragen von interessierten Eltern wellenartig immer wieder sehr gross ist, haben wir uns entschieden, für alle Interessierten  einen sogenannten Unschooling-Dialog anzubieten.

Wir gestalteten den Morgen so, dass wir zuerst kurz über unseren Werdegang zu Unschooling berichteten und übergaben anschliessend das Wort den einzelnen Teilnehmern, welche sich vorstellten und den Beteiligten ihre Erwartungen an diesen Morgen mitteilten. Danach erklärte mein Mann anhand eines Modelles den Unterschied zwischen Homeschooling und Unschooling und umschrieb in groben Zügen das Wesentliche rund um Unschooling. Nach dieser kurzen Einführung blieb genügend Zeit, um all die vielen Fragen loszuwerden Smiley. Vor allem die typischen Fragen um die Hintergründe, soziale Kontakte, Sozialisierung generell, Aufwand mit den Behörden, Ablauf und Umsetzung zu Hause und Übergang ins Berufsleben u.a. beschäftigten uns. Aber auch Themen wie z.B.  “Schaffe ich es ohne meinen Partner?” oder “Wie gross ist der finanzielle Aufwand?” wurden ausgetauscht. P1030918

Unsere Kernbotschoft war klar,

dass Unschooling ein sehr individueller Weg ist,

…dass es zu vielen Themen keine Pauschal-Antworten geben kann,

…dass jede Familie ihren ganz eigenen Weg finden muss,

…dass unser Weg bloss ein Beispiel von vielen ist,

…und dass unser Weg unsere Passion geworden ist, wofür wir unsere Zeit und Energie gerne anderen Interessierten zur Verfügung stellen und unsere Erfahrungen gerne mit ihnen teilen wollen.

Für uns war es auf alle Fälle ein wirklich intensiver Morgen. Es wurde einmal mehr deutlich, dass immer mehr Menschen sich mit dem Thema Schule resp. Nicht-Schule befassen. Und das übrigens nicht nur in der Schweiz, diese Bewegung ist weltweit zu beobachten.

In der abschliessenden Feedbackrunde bekamen wir positive Rückmeldungen und erfuhren von den einen, dass sie diesen Morgen in ihren Wahrnehmungen bestärkt, bekräftigt, ermutigt und neu inspiriert wurden und von anderen (es hatte auch Skeptiker darunter!), dass sie nach diesen drei Stunden nun ein viel klareres Bild von Unschooling hätten und sich nun vielmehr vorstellen könnten, was damit eigentlich gemeint sei. Es gab auch Stimmen, welche sich weitere Unschooling-Dialoge wünschten und Verbesserungsvorschläge wie z.B. dass man statt nur einen Morgen lang auch einen ganzen Tag planen könnte und dass es somit auch möglich wäre, sich zeitweise in kleineren Gruppen auszutauschen und auch Pausen eingebaut werden könnten.

Wir bedanken uns HERZlich bei allen Beteiligten für diesen intensiven Morgen und  je nach Bedürfnis der Interessierten werden wir gerne wieder einmal einen solchen Anlass organisieren. Interessierte können sich jederzeit bei uns melden. Zu gegebener Zeit wird in unserem Forum unter ‘Aktuelles’ eine Ausschreibung dazu zu finden sein.

Am 13.1.2011 war André Stern (Autor von “…und ich war nie in der Schule”) zu Gast bei Aeschbacher auf dem Schweizer Fernsehkanal SF1. André Stern war mit seinem Auftritt ein guter und würdiger Botschafter der Unschooling-Bewegung. Seine Botschaften sind 100% kompatibel zu unserem Weg, die sind:

- Eltern haben diesen Weg aus tiefster Passion gewählt.
- Die Mutter war Grundschullehrerin.

- Der Weg ist nicht kopierbar.
- Das Elternhaus war strukturiert mit regelmässigen Ritualen.
- Gelernt wird anhand des Objektes und der Handlung.
- Es gibt keine Unterscheidung zwischen Lernen und Spiel.
- Entscheidend ist die Kompetenz und nicht die Qualifikation (Diplom).
- Leben und Lernen sind ein Fluss.

Der Auftritt von André Stern bei Aeschbacher kann auf diesem Link angeschaut werden.

04. Juli 2010 · Kommentieren · Kategorien: Allgemein · Tags:

Immer muss man zueinander reifen.
Alle schnellen Dinge sind Verrat.
Nur wer warten kann, wird es begreifen:
nur dem Wartenden erblüht die Saat.

Warten, das ist: Säen und dann Pflegen,
ist gestaltend in den Worten warten,
handelnd still sein und umhegen
erst den Keim und dann den Garten.

Jean Gebser, Gedichte, Novalis 1974, S. 92

Am 10. Juli 2010 findet wieder eine Eltern-Inspiration  in Herisau statt, zu welcher wir alle Interessierten herzlich einladen. Unter dem Motto ‘Kinderbücher’ möchten wir uns diesmal gegenseitig unsere liebsten, spannendsten, lustigsten, tiefsinnigsten, witzigsten und und und und Bilderbücher, Vor-Lesebücher, Kinderbücher vorstellen.

Wer mehr darüber erfahren oder sich gleich anmelden möchte, kann das jetzt hier tun: Auskunft oder Anmeldung.