Posts Tagged ‘Reflektion’

Erst den Keim und dann den Garten

Sonntag, Juli 4th, 2010

Immer muss man zueinander reifen.
Alle schnellen Dinge sind Verrat.
Nur wer warten kann, wird es begreifen:
nur dem Wartenden erblüht die Saat.

Warten, das ist: Säen und dann Pflegen,
ist gestaltend in den Worten warten,
handelnd still sein und umhegen
erst den Keim und dann den Garten.

Jean Gebser, Gedichte, Novalis 1974, S. 92

Eltern-Inspiration im Juli

Donnerstag, Juni 17th, 2010

Am 10. Juli 2010 findet wieder eine Eltern-Inspiration  in Herisau statt, zu welcher wir alle Interessierten herzlich einladen. Unter dem Motto ‘Kinderbücher’ möchten wir uns diesmal gegenseitig unsere liebsten, spannendsten, lustigsten, tiefsinnigsten, witzigsten und und und und Bilderbücher, Vor-Lesebücher, Kinderbücher vorstellen.

Wer mehr darüber erfahren oder sich gleich anmelden möchte, kann das jetzt hier tun: Auskunft oder Anmeldung.

Eltern-Inspiration

Donnerstag, April 15th, 2010

Am 1. Mai 2010 findet wieder eine Eltern-Inspiration in Herisau statt. Interessierte sind herzlich eingeladen, daran teilzunehmen. Da unser letzmals gewähltes Thema ‘Entspannte Umgebung’ so umfassend und für uns essentiell ist, möchten wir gleich nochmals in folgende Fragen eintauchen:

- Was macht eine entspannte Umgebung aus?
- Wie sieht das im individuellen Alltag aus?
- Welche Rolle spielen wir als Eltern und Begleitpersonen dabei?
- Wo sind subtile Gefahren versteckt?
- Was löst Spannungen (bewusst oder unbewusst) aus?
- Was unterscheidet eine entspannte Umgebung innerlich und äusserlich?

Wer mehr darüber erfahren oder sich gleich anmelden möchte, kann das jetzt hier tun: Auskunft oder Anmeldung.

Einladung zur Eltern-Inspiration

Sonntag, Februar 14th, 2010

Aufgrund mehreren Anfragen tragen wir schon seit einiger Zeit den Gedanken mit uns herum, unsere bewährten und profunden Eltern-Inspirationen auch für andere Interessierte zu öffnen. Diese Idee brauchte Zeit zum Reifen und nun freuen wir uns auf eine neue Form des Austausches. Wir wollen dazu alle Interessierten einladen, mit uns jeden zweiten Monat einen Samstagmorgen lang in ein spezifisches Thema einzutauchen, zu philosophieren und auszutauschen. Wir sind jetzt schon gespannt, was daraus entstehen wird und freuen uns sehr darauf.

Die nächste Eltern-Inspiration findet am 13. März 2010, 8.30 – 11.30 Uhr in Herisau statt. Als Thema haben wir ‘Entspannte Umgebung’ gewählt.

Wir werden uns mit Fragen auseinander setzen, wie z.B.:

- Was macht eine entspannte Umgebung aus?
- Wie sieht das im individuellen Alltag aus?
- Welche Rolle spielen wir als Eltern und Begleitpersonen dabei?
- Wo sind subtile Gefahren versteckt?
- Was löst Spannungen (bewusst oder unbewusst) aus?
- Was unterscheidet eine entspannte Umgebung innerlich und äusserlich?

Wir freuen uns auf alle Interessierten, die ebenso wie wir mit unseren Kindern wachsen wollen.

Wer mehr darüber erfahren oder sich gleich anmelden möchte, kann das jetzt hier tun: Auskunft oder Anmeldung.

Elterninspiration: Kinder nähren

Sonntag, Februar 8th, 2009

Dass wir uns für diese Elterninspiration einmal mehr ein grosses Thema ausgewählt haben, bemerkte ich während meiner Vorbereitung. Eigentlich ist das Thema viel zu mächtig, um nur an einem einzigen Morgen darüber zu philosophieren und auch viel zu umfangreich, um es nur in einem kleinen Blog zu würdigen! Vor unserem Büchergestell zu Hause konnte ich mich kaum entscheiden, welche Bücher ich zum Thema ‘Kinder nähren’ mitbringen mochte. Es war unmöglich, alle in Frage kommenden Bücher mitzunehmen! Wohlverstanden, es ging uns nicht um die physische Nahrung, welche allein für sich natürlich auch ein wichtiges Thema ist! Vielmehr wollten wir uns dieses Mal miteinander austauschen, welche essentielle Nahrung unsere Kinder sonst noch brauchen.

Eigentlich wäre es ja ganz einfach: Kinder brauchen Liebe und Respekt. Und das schon als neugeborener Säugling, oder besser noch früher! Für einige von uns waren die Lektüren von Emmi Pikler, Anna Tardos oder Magda Gerber von grosser Bedeutung. Dabei geht es um die nährende, respektvolle und liebevolle Pflege, bei welcher das Baby, das Kleinkind und später auch das ältere Kind für eine gewisse Zeit die ununterbrochene Aufmerksamkeit der betreuenden Person erhält. Die ununterbrochene Aufmerksamkeit ist für ein Kind enorm wichtig. Naomi Aldort beschreibt das in ihrem Buch ‘Von der Erziehung zur Einfühlung’ so: “Ein Kind erlebt seinen eigenen Wert dadurch, dass es unsere Zeit und Aufmerksamkeit wert ist.” Nähren wir unsere Kinder, indem wir sie z.B. mit vollster Aufmerksamkeit pflegen oder indem wir ihnen täglich eine Zeit lang ganz bewusst bei ihrem Tun zuschauen, dann fühlen sie sich wertgeschätzt, wahrgenommen und geliebt! Wenn sich ein Kind in der Liebe seiner Eltern vollkommen geborgen fühlt, braucht es sich nicht auf destruktive Weise auszudrücken.

Wir stellten in unserer Reflektion fest, dass wir unseren Kindern ebenfalls immer wieder unbewusst signalisieren: “Du bist nicht so wichtig wie etwas anderes (Anruf, Besuch, usw.), du stehst in meiner Prioritätenliste weit unten.” Natürlich wollen wir alle keine solchen Signale senden. Doch die Herausforderung ist, das überhaupt zu merken. Die meisten Menschen reflektieren ihr Verhalten nicht und leben ihr anerzogenes Muster. Das Muster kann z.B. sein, dass wir etwas so machen, weil es eben alle so machen! Sind wir ganz achtsam im Umgang mit unseren Kindern, so können wir jedoch solche Fallen erkennen! Um nur ein einfaches Beispiel zu nennen: Es ist ratsam, das Telefon weiterklingeln lassen, wenn wir mitten in der Pflege mit einem Kind sind oder am Geschichten erzählen sind. Im Zeitalter des Telefonbeantworters sollte das ja kein Problem sein! Auf diese Art signalisieren wir wortlos, dass das Kind uns im Moment am wichtigsten ist und das ist Balsam für seine Seele! Damit ist aber nicht gemeint, dass wir den ganzen Tag immer nur neben dem Kind zu sitzen haben. Abgesehen davon, dass das ebenfalls sehr spannend sein kann! Es ist nämlich im Gegenzug auch sehr heilend, wenn wir den Kindern die Möglichkeit bieten, sich selbst zu nähren in ihrem selbstbestimmten Tun! Oder mit anderen Worten: Wir ermöglichen dem Kind, sich selbst zu spüren und mit sich selbst etwas anzufangen (an dieser Fähigkeit mangelt es selbst vielen Erwachsenen!). Dafür gilt es aber eine wichtige Voraussetzung zu erfüllen: Es braucht das, was die meisten Menschen nicht haben, Z E I T. So sind die meisten Mütter von uns bemüht, so gut wie möglich Alltagsstress zu vermeiden.

Eine weitere Frage beschäftigte uns: Wie kann eine Mutter (oder Vater) ihr Kind nähren, wenn sie selber nicht genügend mit Liebe und Respekt genährt ist oder unbefriedigende Bedürfnisse aus der Kindheit hat? Dieser Thematik hatte sich auch der Pädagoge Heinrich Jacoby intensiv gewidmet. Er war überzeugt, dass auf dem Weg zum kompetenten Erzieher eine persönliche Entwicklung vonnöten sei, eine bewusste, prozesshafte Nachentfaltung. Mehr darüber kann man im Buch ‘Entfaltung statt Erziehung, die Pädagogik Heinrich Jacobys’ von Walter Biedermann nachlesen. Allerdings waren wir uns auch einig, dass die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund treten können, sofern wir es schaffen, voll und ganz in die Welt der Kinder einzutauchen und mit der Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt zu sein!

Wie immer nach den Elterninspirationen philosophierten mein Mann und ich später noch weiter. Wir kommen darauf, dass eigentlich ALLES Nahrung ist. Wir als Eltern sind Nahrung, einzig und allein mit unserem Dasein, unsere Art und Weise ist Nahrung, die Geschwister sind Nahrung, die Umgebung ist Nahrung. Lachen und Gesang ist Nahrung für unser Herz, Körperkontakt stillt unseren Hunger nach Berührung, ein Sonnenuntergang am Meer stillt unseren Hunger nach Stille oder Schönheit. Jeder Mensch ist auch für sich selbst nährend, im Sinne eines autopoietischen Systems, das alles was und wie es etwas ausdrückt oder produziert (tun, denken, fühlen, usw), immer in einer Art und Weise rekursiv auf sich selbst zurück wirkt.

Nur schon, wenn man in das Feld dieses Themas eintaucht, eröffnet sich eine riesige Dimension. Man könnte auch sagen, dass dieses Thema ein Lebensthema ist!