Mathematik ohne Mathematikbücher?

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Mathematik ohne Mathematikbücher?

Stundenlang Monopoly spielen? Jassen, kochen, im Alchemistenlabor experimentieren, Sudokus, Puzzles, Lonpos, Rollenspiele? Das alles soll Rechnen sein?

Hier geben wir zwei kurze Dialoge wieder, die sich während der vergangenen Tage beim Spielen des bekannten ‘Monopoly’ ereignet haben.

Dialog 1:

Kind B: “Ich muss Dir 90 Franken bezahlen. Hier, ich gebe Dir eine 100-er Note und du gibst mir eine 10-er Note zurück!”

Kind C: “Nein, ich gebe Dir keine 10-er Note zurück!”

Kind B: “Aber wenn ich dir eine 100-er Note gebe, dann MUSST du mir eine 10-er Note zurück geben. Denn ich muss dir nur 90 bezahlen und von 90 bis 100 fehlen noch 10. Also, gib mir jetzt bitte eine 10-er Note!”

Kind C: “Die geb ich nicht!”

Kind B: “Wenn du mir die 10-er Note nicht gibst, dann hab ich ich dir zuviel bezahlt und das will ich nicht!”

Kind C: “Das ist meine letzte 10-er Note und die hat so einen schöne Farbe. Ich will die nicht geben! Denn sonst hab ich keine solche schöne Note mehr!”

Kind B: “Eine 100-er Note ist aber viel mehr wert als eine 10-er Note! Und zudem hast du noch ganz viele andere Noten!”

Kind C: “Aber ich hab trotzdem nur noch einen 10-er und den will ich nicht geben!”

Kind A: “Ich hab eine Idee. Du kannst ja auch eine 50-er und zwei 20-er Noten geben, das gibt auch 90!”

Kind B: “Das weiss ich selber! Aber ich will eben diesmal mit einer 100-er Note bezahlen! So, gib mir jetzt bitte einen 10-er zurück!

Kind C:”Will ich nicht!”

Kind A: “Dann tausche doch deine 100-er Note bei der Bank ein! Du kannst dafür zum Beispiel fünf 20-er Noten tauschen, oder eine 50-er Note, zwei 20-er Noten und eine 10-er Note. Oder du kannst zehn 10-er Noten tauschen und dem Nalin davon 9 geben. Neun 10-er Noten geben nämlich auch 90!”

Kind B: “Jetzt hab ich eine Idee! Ich geb dir jetzt meine 100-er Note und du tauschst diese bei der Bank für zehn 10-er Noten ein. Dann gibst du mir eine 10-er Note und du hast dann immer noch neun 10-er Noten. Und wenn du noch die eine 10-Note hinzuzählst, die du schon hast, dann hast du zehn schöne 10-er Noten!”

Kind C:”Also gut!”

Monopoly

Dialog 2:

Kind B: “Ich hoffe, dass ich bald auf Zürich-Paradeplatz komme. Den will ich nämlich unbedingt kaufen. Das Geld bin ich schon am Sparen. Der Platz kostet 400. Und wenn ich dann noch vier Häuser darauf stelle, dann brauche ich pro Haus nochmals 200. Das macht also 200 + 200 + 200 +200 = 800. Und die 400 vom Platz noch dazu, das gibt dann also 1200. Jetzt hab ich schon 850 gespart! Wenn ich nachher beim Start vorbei komme, bekomme ich 200 und dann hab ich schon über 1000! Ähm, das sind dann genau 1050! ”

Kind A: “Ja, ja, ja! Aber zuerst musst du auch noch das Glück haben, dass du auf den Zürich Paradeplatz kommst. Und vielleicht kommst Du ja auf einen Platz von mir und musst mir bezahlen!
Also, ich bin mit Würfeln dran! Drei, super! Ich komme nach Lausanne. Wie spricht man das schon wieder aus? Ah ja genau, ‘Losann’! Das kauf ich! Hier, 200 für die Bank!”

Kind B: “Jetzt bin ich dran! Sechs! Elektrizitätswerk! Die gehört dir. Ich muss dir bezahlen. 4 mal soviel wie die Augen der Würfel. Also 6 mal 4! 4 + 4 + 4 + 4 + 4 + 4 = ähm, das gibt 24. Hier, ein 50-er!”

Kind A: “Wenn du mir eine 50-er Note gibst, dann bekommst du noch 26 zurück! Ich hab leider zu wenig 1-er. Deshalb gebe ich dir eine 20-er Note und eine 10-er Note und du gibst mir vier 1-er zurück!”

Kind B: “Hab leider keine 1-mehr. Aber ich kann dir einen 5-er geben und du gibst mir einen 1-er zurück!”

Kind A: “Gut, jetzt bin ich wieder dran! Schon wieder eine Drei! Ich bekomme Startgeld von 200. Ich hätte es gerne in kleinen Noten. Gib mir doch bitte vier 50-er Noten!”

Kind B: “Vier, ich komme nach Biel.”

Kin A: “Das gehört mir. Also, ich hab schon drei Häuser darauf. Das kostet dich 550!”

Kind B: “Och, so viel! Also, hier ist das Geld! 700. Du musst mir noch richtig zurück geben!”

Kind A: “Da, 150 zurück für dich!”

Und so weiter und so fort! Es gäbe noch etliche andere Beispiele aufzuschreiben!

Diese Art von Spiel ist angewandte Mathematik pur! Während die Kinder Monopoly spielen, haben sie einen unmittelbaren Bezug zu den Zahlen und zum Geld und sind – ohne sich dessen bewusst zu sein – dauernd am Rechnen. Hinzu kommen noch viele andere Lerneffekte wie z.B. das Angehen von kleinen Konflikten sowie auch das Hinnehmen der Tatsache, wenn der Spielverlauf nicht im eigenen Sinne stattfindet.

So ähnlich geschieht es auch mit anderen Spielen wie z.B. dem Jassen, welches unsere Kinder ebenfalls lieben! Und wie unsere Kinder beim Kochen rechnen lernen, ist hier beschrieben.

Das Rechnen findet statt. Darüber braucht man sich keine Sorgen zu machen. Es findet allerdings dann statt, wenn die Zeit reif dazu ist und nicht in einem bestimmten Alter. Das ist jedenfalls unsere persönliche Erfahrung!

Und das 1×1? Auch hier braucht man sich keine Sorgen zu machen. Das Prinzip haben unsere Töchter längstens verstanden. Und der Rest ist bloss noch ein Automatisieren, ein Auswendiglernen. Sara und Olivia haben diesen Sinn erkannt und bereits angekündigt, wann und zu welchem speziellen Zeitpunkt sie das einstudieren werden. Wir werden darüber berichten Smiley

 

By |2012-03-20T07:00:00+01:0020. März 2012|Alltag, Lernen, Rechnen|1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. […] wissen wir, dass auch die Mathematik zum richtigen Zeitpunkt stattfindet, wie wir das hier und hier und hier schon beschrieben haben. Wir erleben auch, dass unsere Kinder ein Thema meistens […]

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....... ist ein vom Kind geleitetes Lernen im normalen Wohn- und Lebensumfeld der Kinder, zusammen mit ihren Eltern oder nächsten Bezugspersonen ohne jeglichen Versuch die traditionelle Schule und ihre Lehrpläne nachzuahmen. Es gibt daher keinen geplanten Unterricht oder bestimmte Zeiten am Tag, für die schulähnliche Aktivitäten vorgeschrieben sind. Themen werden behandelt, wenn das Interesse des Kindes es verlangt. Die Eltern - oder die Personen, mit denen das Kind zusammenlebt – sind weniger Lehrer als Unterstützer und Begleiter der Lebens- und Lernprozesse.

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